GD Beschäftigung, soziale Angelegenheiten und Chancengleichheit
der Europäischen Kommission
8. EBU-Generalversammlung und Forum für Vielfalt und Chancengleichheit
EBU stellt Gleichstellungpreis „Vision for Equality Award“ vor
EBU gibt Gewinner des ONKYO-Braille-Wettbewerbs bekannt
Beschlüsse der 8. Generalversammlung
[Die in diesem Newsletter vertretenen Meinungen sind die der Autoren und entsprechen nicht zwingend den Ansichten der EBU.]
Die 8. EBU-Generalversammlung fand von 24. bis 26. Oktober 2007 in Antalya
(Türkei) statt. Vor der Generalversammlung wurde am 22. und 23. Oktober ein
Forum für Vielfalt und Chancengleichheit veranstaltet. Der türkische
Blindenverband erfüllte seine Aufgabe als Gastgeber für die 280 Teilnehmer
aus 40 der insgesamt 45 EBU-Mitgliedstaaten hervorragend und das Dedeman
Hotel bot mit seinem Komfort, den freundlichen Mitarbeitern und der
ausgezeichneten Organisation erstklassige Arbeitsbedingungen für beide
Veranstaltungen. In den Pausen hatten die Teilnehmer Gelegenheit, die
technische Ausstellung zu besuchen, auf der Unternehmen aus aller Welt die
neuesten technischen Hilfsmittel und Hilfstechnologien für Blinde und
Sehbehinderte präsentierten.
Im Rahmen des Forums wurden Plenarsitzungen mit Präsentationen und parallel
dazu Einzelsitzungen für verschiedene Zielgruppen (Frauen, Jugendliche,
Senioren) veranstaltet, in denen Lösungsansätze zur Sensibilisierung und
Überwindung von Barrieren für eine gerechte Gesellschaft diskutiert wurden.
Diese Sitzungen wurden in Form von Workshops, Rollenspielen und Vorträgen
angeboten. Gastredner brachten zudem nützliche praktische Informationen zu
den verschiedenen Aspekten der Vielfalt ein.
Das neue Konzept der Workshops wurde von den 116 Delegierten bei der
diesjährigen Generalversammlung besonders geschätzt. Dabei sollte die
Erfahrung der Delegierten genutzt und ihnen die Möglichkeit eingeräumt
werden, sich intensiver einzubringen und die Politik und Planung der EBU in
größerem Maße zu beeinflussen. In zwei Workshops teilten sich die
Delegierten in kleinere Gruppen auf, um einen intensiveren
Diskussionsaustausch zu ermöglichen. Im ersten Workshop am ersten Tag
diskutierten sie über den Tätigkeitsbericht des Präsidiums über die letzten
vier Jahre sowie den Entwurf des Strategieplans für die kommende
Arbeitsperiode, im zweiten Workshop am dritten Tag wurde über die Strategie
der EBU für eine effiziente Umsetzung der UN-Konvention für die Rechte von
Menschen mit Behinderungen zugunsten Blinder und Sehbehinderter gesprochen.
Die Ergebnisse dieser Workshops wurden aufgezeichnet und in den
Plenarsitzungen diskutiert. Die Delegierten nahmen diese neue Arbeitsweise
äußerst positiv auf und sahen sie als sehr effizient an.
Die Generalversammlung nahm einen Antrag zur Änderung der EBU-Verfassung an,
mit dem die Anzahl der Präsidiumsmitglieder von sechs auf acht erhöht wurde.
Zudem wurde ein neues Präsidium mit insgesamt 13 Mitgliedern und der ersten
Generalsekretärin in der Geschichte der EBU, Birgitta Blokland, gewählt
(siehe hierzu die Wahlergebnisse auf Seite 3).
Die festliche Abschlussveranstaltung der Generalversammlung bot schließlich
den idealen Rahmen für die Verleihung des Gleichstellungspreises „Vision for
Equality“ sowie der Preise für den ONKYO-Braille-Wettbewerb. Der designierte
Präsident Lord Colin Low beglückwünschte die Gewinner herzlich.
Viel Spaß bei der Lektüre dieser Ausgabe.
Für Kommentare und Anregungen steht Ihnen folgende E-Mail-Adresse zur
Verfügung: ebuoffice@euroblind.org
Wahlergebnisse |
Einstimmig per Applaus gewählt:
Präsident: Lord Colin Low (Großbritannien)
Erster Vizepräsident: Alexander Neumyvakin (Russland)
Zweiter Vizepräsident: Tommaso Daniele (Italien)
Schatzmeister: Julien Aimi (Frankreich)
Für das Amt des Generalsekretärs traten zwei Kandidaten an; gewählt wurde
Birgitta Blokland (Niederlande) mit 126 Stimmen.
Gewählt (in geheimer Wahl):
1. Unn Ljøner Hagen (Norwegen): 192 Stimmen
2. Wolfgang Angermann (Deutschland): 174 Stimmen
3. Sigrun Bessadottir (Finnland): 170 Stimmen
4. Vaclav Polasek (Tschechische Republik): 163 Stimmen
5. Rafael González Millán (Spanien): 162 Stimmen
6. Yannis Vardakastanis (Griechenland): 141 Stimmen
7. Emin Demirci (Türkei): 126 Stimmen
8. Sinan Tafaj (Albanien): 118 Stimmen
Einstimmig gewählt:
Branislav Mamojka, Vorsitzender (Slowakei)
Lesley-Anne Alexander (Großbritannien)
Barbara Martin Muñoz (Spanien)
Kicki Nordstrom (Schweden)
Rudolf Volejnik (Tschechische Republik)
Der Präsident Lord Colin Low ist ex officio Mitglied des
WBU-Vorstandes.
Einstimmig gewählt:
Birgitta Blokland
Alexander Neumyvakin
Yannis Vardakastanis
Anlässlich der festlichen Abschlussveranstaltung ihrer 8.
Generalversammlung (24.-26. Oktober 2007 in Antalya, Türkei) gab die
Europäische Blindenunion (EBU) die Preisträger des Onkyo-Braille-Wettbewerbs
bekannt.
Bei dem Onkyo-Braille-Wettbewerb handelt es sich um eine internationale
Initiative, die von Onkyo und Mainichi, zwei japanischen Unternehmen, die
sich aktiv für die Förderung der Blindenschrift einsetzen, finanziert wurde.
Der europäische Teil des Wettbewerbs wurde am 4. Januar anlässlich des von
der Weltblindenunion eingeführten Louis Braille-Tages von der EBU ausgelobt,
die vor der Auswahl der Gewinner für die Bearbeitung und Übersetzung der aus
ganz Europa eingehenden Essays ins Englische verantwortlich zeichnete.
Das Wettbewerbsthema war „Wie die Brailleschrift mein Leben veränderte”. Die
Teilnehmer waren dazu aufgerufen, darüber zu schreiben, wie die
Brailleschrift ihr Alltagsleben verbessert.
Der ONKYO-Braille-Essay-Wettbewerb rief in Europa großes Interesse unter der
blinden Bevölkerung hervor. Insgesamt wurden über 130 Essays aus 19 Ländern
eingereicht, von denen 61 in die engere Vorauswahl kamen. Aufgrund der
hervorragenden Qualität der Essays war es für die Jury extrem schwierig,
eine Endauswahl zu treffen.
Die 7 Preisträger sind:
- Milan Djuric, Serbien Ootsuki –
Erster Preis
- Marco Aurélio Maltez Branco, Portugal
Preis für herausragende Arbeit
- Jarmila Hochsteigerova, Tschechische Republik
Preis für herausragende Arbeit
- Mirjam Liivak, Estland
Preis für gute Arbeit
- Federica Gallo, Italien
Preis für gute Arbeit
- Dzintra Zuravska, Lettland
Preis für gute Arbeit
- Isabel de los Ángeles López-Valdivieso
Preis für gute Arbeit
Rodríguez, Spanien
Für Blinde ist die Blindenschrift die einzige Möglichkeit für einen direkten
und persönlichen Kontakt mit Text. EBU-Präsident Colin Low drückte dies wie
folgt aus: „Wer den Lebensstandard und die Lebensqualität blinder Menschen
verbessern möchte, muss der Blindenschrift, ihrer Förderung, ihrer
Verbreitung und ihrem Unterricht eine hohe Priorität einräumen. Die
Brailleschrift ist der Schlüssel zur Befreiung der Blinden.“
Die in Antalya gefassten Beschlüsse sind hier aus stilistischen und anderen
Gründen etwas anders formuliert wiedergegeben.
Hintergründe
In verschiedenen europäischen Ländern werden Sehbehinderten manche Bücher in
speziellen Formaten nur in gekürzter Fassung angeboten.
Das Angebot an Büchern in speziellen Formaten für Sehbehinderte wie
Hörbücher oder Bücher in Blindenschrift ist im Vergleich zu dem
Bücherangebot für Sehende erheblich eingeschränkt und im Allgemeinen
wesentlich teurer.
Die von 24.-26. Oktober 2007 in Antalya, Türkei, zusammengetretene 8.
EBU-Generalversammlung beschließt, dass
Sehbehinderte das Recht haben, alle Arbeiten in einem für sie zugänglichen
Format in ungekürzter Fassung zu lesen.
Aus diesem Grund
ruft die Generalversammlung das EBU-Präsidium dazu auf, gemeinsam mit dem
entsprechenden Themenausschuss und den nationalen Blindenverbänden bei
Autoren- und Verlagsverbänden auf europäischer und nationaler Ebene dafür
einzutreten, Einrichtungen für die Herstellung und den Vertrieb von Büchern
für Blinde, Sehbehinderte und andere Personen mit Leseschwierigkeiten
mindestens die gleichen Copyright-Ausnahmeregelungen einzuräumen wie
öffentlichen Bibliotheken. Des Weiteren sollte mit allen Mitteln für eine
Gleichstellung hinsichtlich der Bereitstellung und des Preisangebotes von
Büchern in zugänglichen Formaten eingetreten werden.
Ferner ruft die Generalversammlung die europäischen Blinden- und
Sehbehindertenverbände dazu auf, die angemessene Umsetzung der
EU-Copyright-Richtlinie zu überprüfen, sich über die entsprechenden
nationalen Rechtsvorschriften zu informieren und bei einer Missachtung der
Copyright-Richtlinie schwere Strafen zu fordern.
Hintergründe
Die Verabschiedung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit
Behinderungen ist einer der größten internationalen Erfolge der
Blindenbewegung.
Nach der Annahme durch die UNO muss jedoch noch viel getan werden, bevor die
Konvention zu einer echten Verbesserung der Situation und Chancen
Behinderter in Industrie- und Entwicklungsländern führen wird.
Zuerst muss die Konvention von zahlreichen Ländern unterzeichnet werden, ein
erster Schritt, der bereits weitgehend erfüllt wurde.
Anschließend müssen die Unterzeichnerstaaten ihre Rechtsvorschriften,
Vorgehensweisen, administrativen Regelungen und Einrichtungen für die
Ratifizierung anpassen und verändern, was aus Sicht der Behinderten einen
entscheidenden Schritt in Richtung einer reellen Umsetzung der in der
UN-Konvention enthaltenen Grundprinzipien darstellt.
Im Anschluss daran muss zum Inkrafttreten der UN-Konvention ihre
Ratifizierung durchgeführt werden, und zwar vorzugsweise von mehr Ländern
als der vorgeschriebenen Mindestanzahl von 20 Staaten. Und schließlich muss
das freiwillige Zusatzprotokoll, das dem einzelnen Bürger das Recht auf
Beschwerde bei einer Überwachungseinrichtung einräumt, ebenfalls
verabschiedet und ratifiziert werden. Dieser Schritt ist notwendig um
sicherzustellen, dass im Falle einer Verletzung der Menschenrechte
Behinderter Einzelpersonen und Organisationen Beschwerde einreichen können.
Des Weiteren ist es von größter Wichtigkeit sicherzustellen, dass die
Durchführung der Konvention international überwacht und ihre Grundprinzipien
und Absichten auf nationaler Ebene umgesetzt werden.
Unter Berücksichtigung dieses komplizierten, langwierigen aber notwendigen
Verfahrens beschließt die von 24.-26. Oktober 2007 in Antalya, Türkei,
zusammengetretene 8. EBU-Generalversammlung, dass
- die europäischen Länder und die Europäische Union durch die Verabschiedung
aller für die Umsetzung der UN-Konvention notwendigen Maßnahmen als gutes
Beispiel vorausgehen und die entsprechenden Vorschriften in möglichst vielen
europäischen Ländern einführen sollten;
- das EBU-Präsidium zur Überprüfung der Fortschritte und für den
Erfahrungsaustausch hinsichtlich der Umsetzung der UN-Konvention die
Durchführung einer Halbzeitkonferenz sicherzustellen hat;
- das EBU-Präsidium prioritär die Vorbereitung und Bereitstellung
schriftlichen Informationsmaterials über die Konvention an alle
EBU-Mitglieder unterstützt, das als Grundlage für Schulungen und
Bildungsmaßnahmen dienen kann und den Mitgliedern die Förderung einer
Ratifizierung und Umsetzung der UN-Konvention auf nationaler Ebene
ermöglicht und
- die EBU sich über ihre entsprechenden politischen und anderen
einflussreichen Gremien mit aller Kraft dafür einsetzt, dass die Konvention
hinsichtlich ihrer geographischen Umsetzung und konzeptuellen Auslegung
sowie der Einrichtung von Verwaltungs- und Überwachungsmaßnahmen wie alle
anderen Menschenrechtsinstrumente der UNO behandelt und gefördert wird.
Hintergründe
Seit 1987 haben die Beschlussfassungen auf den EBU-Generalversammlungen
immer wieder die Bedeutung, Vorteile und angemessene Verwendung von
Ressourcen zum Ausdruck gebracht, die durch eine ausgewogene Vertretung von
Männern und Frauen in den Länderdelegationen und die verstärkte Präsenz
sehbehinderter Frauen in den Kommissionen und Führungsgremien der EBU
erreicht werden konnten. Aufgrund der Zusammensetzung der EBU aus nationalen
und anderen Mitgliedern sowie ihrer Finanzierung durch die nationalen
Blindenorganisationen müssen die gewünschten Veränderungen zuerst auf
nationaler Ebene und Länderinitiative erreicht werden.
Für eine einwandfreie Arbeitsweise und Stärkung der EBU ist die Souveränität
ihrer nationalen Mitglieder unerlässlich. Aus diesem Grund müssen Methoden
erarbeitet werden, um das erklärte Ziel eines ausgewogeneren
Geschlechterverhältnisses rasch zu erreichen, ohne jedoch das nationale
Selbstbestimmungsrecht der EBU-Mitglieder zu verletzen. Sanktionen könnten
sich in diesem Fall kontraproduktiv auswirken.
Ein ausgewogeneres Geschlechterverhältnis ist nicht nur von größter
Wichtigkeit, sondern auch ein für eine moderne internationale Organisation
charakteristisches Ziel.
Die heutige Gesellschaft ist von folgenden Schlüsselwörtern geprägt:
Chancengleichheit, Gleichheit und Gleichberechtigung, Networking und auf
Austausch und Dialog basierende Beteiligung. Diese Grundprinzipien sollten
für das Erreichen des oben angeführten Ziels ausschlaggebend sein.
Auf der Grundlage bereits existierender Netzwerkinitiativen und dem – zu
langsamen – Trend hin zu einem ausgewogenen Geschlechterverhältnis innerhalb
der EBU beschließt die von 24.-26. Oktober 2007 in Antalya, Türkei,
zusammengetretene 8. EBU-Generalversammlung,
das Präsidium mit der Sicherstellung folgender Punkte zu beauftragen:
1. Aufbau eines offiziellen Frauennetzwerkes innerhalb der EBU;
2. Ernennung eines weiblichen EBU-Präsidiumsmitglieds als offizielles
Verbindungsglied zu diesem Netzwerk;
3. Ernennung von 3-5 weiteren aktiven Frauen zur Bildung eines
Lenkungsausschusses für die Unterstützung und Koordination des Netzwerkes;
4. Ernennung einer Frau pro Mitgliedstaat zur Aufrechterhaltung des
nationalen Einflusses und der Informationsweitergabe hinsichtlich der
Arbeiten der EBU;
5. Sicherstellung des Rechts des Lenkungsausschusses auf die Kontaktaufnahme
mit anderen Kommissionen und Arbeitsgruppen der EBU zur Förderung der
Chancengleichheit und dem Informationsaustausch mit dem Frauennetzwerk.
6. Des Weiteren könnte das Präsidium die Ausarbeitung einer
Subventionspolitik zur Unterstützung des Geschlechtergleichgewichts in den
Länderdelegationen sowie die Überlegung ins Auge fassen, wie erfolgreiche
Initiativen in verschiedenen Ländern zu einer besseren Vertretung von Frauen
auf internationalen Sitzungen führten.
Die Schulbildung blinder Kinder genießt höchste Priorität. Die revolutionäre
Erfindung der Blindenschrift machte die weltweite kulturelle Emanzipation
Blinder erst möglich, während die Einführung von Computern und
Sprachsynthesizern zu einem umfassenden Wandel in der Erziehung und Bildung
sehbehinderter Schüler führte.
In einigen Ländern wurden im Jahr 2002 große Veranstaltungen zum 150.
Todestag von Louis Braille durchgeführt. Ferner sind erfreulicherweise
anlässlich des 200. Geburtstags von Louis Braille im Jahr 2009 zahlreiche
Festveranstaltungen geplant. Wettbewerbe wie der Onkyo-Braille-Wettbewerb
sind zudem eine hervorragende Gelegenheit zur Förderung der Blindenschrift
und zeigen die vielen persönlichen Gründe für die Unterstützung und
Benutzung der Blindenschrift auf.
Vor diesem Hintergrund beschließt die von 24.-26. Oktober 2007 in Antalya,
Türkei, zusammengetretene 8. EBU-Generalversammlung, dass
das EBU-Präsidium zusammen mit der Bildungskommission mit der Ausarbeitung
eines konkreten Arbeitsplans sowie von Werbematerial beauftragt wird, die
anlässlich der Feierlichkeiten im Jahr 2009 herausgegeben werden sollen. Der
Arbeitsplan und das Werbematerial sollten darauf abzielen, dass folgende
Voraussetzungen in allen EBU-Mitgliedstaaten erfüllt werden:
1. Anerkennung der Tatsache, dass das richtige Erlernen der Blindenschrift
eine wichtige Voraussetzung für die Unabhängigkeit aller blinden und
sehbehinderten Menschen, die aufgrund ihrer Sehbehinderung nicht in der Lage
sind, zu lesen, darstellt.
2. Garantierte Bereitstellung angemessenen Lehrmaterials und fähigen
Lehrpersonals, das kostenlose Kurse zur Erlernung der Blindenschrift in
verschiedenen Schwierigkeitsstufen anbieten kann.
3. Garantie, dass alle Sehbehinderten ein Anrecht auf das Erlernen und
Nutzen der Blindenschrift haben, sei es in Papierformat oder durch die
Bereitstellung moderner Kommunikationstechnologien.
4. Die oben genannten EBU-Gremien sowie die Technologie-Arbeitsgruppe und
die Verbindungskommission sollten die Förderungsmöglichkeiten der
Blindenschrift auf Pharmaprodukten und Verpackungen anderer Konsumgüter als
nützliche Gelegenheit zum Umgang mit und Kennenlernen der Blindenschrift
nutzen.
Durch die gesellschaftlichen Veränderungen und die Tatsache, dass
Großfamilien heute in den meisten europäischen Gesellschaften nicht länger
die Norm sind, gibt es Grund zu der Annahme, dass sich die Beziehungen
zwischen der älteren und jüngeren Generation verschlechtert haben.
Viele ältere Menschen haben das Gefühl, dass sie aufgrund der wachsenden
Abhängigkeit von modernen Technologien und der Förderung der Jugendkultur,
die junge Menschen auf eine schwer verständliche Art und Weise formt, wenn
man nicht Teil dieser Bewegung ist, es ihnen nicht mehr möglich macht, am
gesellschaftlichen Leben teilzuhaben.
Gleichzeitig sollten die EBU und die nationalen Blindenverbände die
Erfahrung und das Wissen älterer blinder und sehbehinderter Menschen zu
schätzen wissen.
Viele junge Menschen glauben, dass sie aufgrund fehlenden Wissens und
mangelnder Erfahrung mit den gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen nicht
in der Lage sind, sich Gehör zu verschaffen und sind unsicher, wie sie einen
Zugang zum Arbeitsmarkt finden, welchen Ausbildungsweg sie einschlagen
sollen oder ob sie in der Lage sind, sich als Sehbehinderte um eine eigene
Familie zu kümmern.
Alle Organisationen müssen sich jedoch im Klaren darüber sein, dass ihre gut
ausgebildeten jüngeren Mitglieder als Nachwuchskräfte unerlässlich sind. Sie
bringen Inspiration und stehen für Innovation und Kreativität.
Die gesellschaftlichen Probleme können durch die Freisetzung neuen
Potenzials und einen engeren Kontakt zwischen den Geschlechtern und
verschiedenen Generationen erfolgreich bekämpft werden. Aus diesem Grund
fordert die EBU ihre Mitgliedsorganisationen dazu auf, sich für
Veranstaltungen einzusetzen, die Menschen beider Geschlechter und jeden
Alters ansprechen. Des Weiteren sollten Mentorenprogramme und
generationsübergreifende Workshops durchgeführt und Fürsprecher für jung und
alt eingesetzt werden.
Wird sichergestellt, dass verschiedene Altersgruppen in den offiziellen
Gremien der Organisation vertreten sind, führt dies zu einer größeren
Vielfalt, die wiederum eine Grundvoraussetzung für Dynamik darstellt.
Aus diesem Grund beschließt die von 24.-26. Oktober 2007 in Antalya, Türkei,
zusammengetretene 8. EBU-Generalversammlung, dass
die EBU alle Mitgliedsorganisationen dazu auffordert,
- lebenslanges Lernen und einen generationsübergreifenden Zusammenhalt in
alle Tätigkeitsbereiche mit einzubeziehen;
- sich für ein Geschlechter- und Altersgleichgewicht in den offiziellen
Gremien einzusetzen;
- Mentorenprogramme und generationsübergreifende Workshops zur Weiterbildung
und Diskussion ins Leben zu rufen und sich für die Durchführung von
Veranstaltungen einzusetzen, auf denen Menschen beider Geschlechter und
jeden Alters zu einem Diskussionsaustausch zusammentreffen.
Gleichermaßen wird das EBU-Präsidium damit beauftragt sicherzustellen, dass
vor der 9. Generalversammlung erneut ein Forum für Vielfalt und
Chancengleichheit veranstaltet wird, das sich mit den Bedürfnissen,
Herausforderungen und Stärken junger und älterer Bereiche der
Blindenbewegung befasst und dem unbestreitbaren Bedürfnis für eine
ausgewogene Beteiligung und Chancengleichheit beider Geschlechter gerecht
wird.
Kinder sind die Zukunft unserer Gesellschaft und Organisation.
Kinder haben das Anrecht auf einen besonderen Platz bei der Arbeit
internationaler Organisationen und bei Instrumenten zur Förderung der
Menschenrechte wie der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit
Behinderungen sowie innerhalb der Blindenbewegung im Rahmen des
Kinderausschusses der WBU. Zudem sollte in Erinnerung gerufen werden, dass
im Rahmen der Milleniumsziele eine umfassende Verbesserung der
Grundschulausbildung vorgesehen war. Dieses Ziel ist direkt an Kinder
gerichtet und soll ihre Chancen auf ein Leben in Wohlstand verbessern. Diese
Chancen sollten allen Kindern, auch behinderten und insbesondere
sehbehinderten Kindern, zuteil werden.
In Europa sind die Fürsprecher sehbehinderter Kinder deren Eltern sowie
durch den ICEVI vertretene Lehrer, Pädagogen, Technologieentwickler und
andere Experten. Kinder können nicht für sich selbst eintreten.
Den Herausforderungen, vor denen sehbehinderte Kinder stehen, ihren
Bedürfnissen und anderen Themen, die sie betreffen, kam bisher innerhalb der
EBU nur unzureichende Bedeutung zu, obwohl die mit Bildung und sozialer
Eingliederung betrauten Gremien diesen von Zeit zu Zeit etwas Aufmerksamkeit
widmeten.
Die von 24.-26. Oktober 2007 in Antalya, Türkei, zusammengetretene 8.
EBU-Generalversammlung fasst folgende Beschlüsse, um in diesem Bereich eine
Änderung und proaktive Entwicklung herbeizuführen:
1. Gemeinsame Ausarbeitung eines Arbeitsplans für diesen neuen
Politikbereich durch das Präsidium und die Kommission für Kultur und
Bildung, der auch die Beschaffungsmaßnahmen für die notwendigen Ressourcen
enthalten sollte. Zudem sollte überlegt werden, wie Kinder betreffende
Themen künftig fächerübergreifend in allen bedeutenden EBU-Gremien behandelt
werden können.
2. Rascher Aufbau einer Zusammenarbeit mit dem ICEVI zur Entwicklung eines
Arbeitsrahmens und notwendiger Vorgaben für Blindenverbände in Ländern, in
denen eine normale Schulbildung für Blinde entweder gar nicht oder nur zu
einem geringen Maße existiert.
3. In enger Zusammenarbeit mit dem ICEVI Europa Festlegung von Mitteln und
Wegen zum Aufbau einer umfassenden Überprüfung und, falls notwendig, zur
Durchführung von Forschungsarbeiten zur Aufstellung verlässlicher
Informationen über die Bedürfnisse sehbehinderter Kinder und die Einhaltung
ihrer Grundrechte auf allen wichtigen Gebieten, von der Früherziehung bis
zum Ausbildungsabschluss.
4. Durchführung spezifischer Tätigkeiten zur Entwicklung, Selbstständigkeit
und Unterstützung von Kindern und Jugendlichen durch Jugendcamps, Ausflüge
oder in anderen Bereichen, die ihnen Spaß und Unabhängigkeit vermitteln. Der
von der WBU und dem spanischen Blindenverband ONCE durchgeführte
internationale Kinderkongress stellt hier ein hervorragendes Beispiel dar
und kann als Vorbild für ähnliche Veranstaltungen dienen.
5. Das Präsidium wird mit der Vorlage eines Berichts über die durchgeführten
Aktionen und Empfehlungen für künftige Tätigkeiten bei der 9.
Generalversammlung beauftragt.
Die EBU-Generalversammlung ist im Hinblick auf die Durchführung von
Sitzungen, den politischen Austausch, die Erarbeitung einflussreicher
politischer Strategien, das Schließen von Freundschaften, Networking, die
Wahl von Führungskräften und die Zusammenführung aller zur Verfügung
stehenden Ressourcen mit dem erklärten Ziel der organisatorischen
Verbesserung auf europäischer Ebene sowie der Erhöhung der Lebensqualität
der sehbehinderten Bürger in den Mitgliedstaaten der EBU die bei weitem
wichtigste Veranstaltung.
Unser Gastgeber, der türkische Blindenverband (TFB), hat in den vergangenen
zwei Jahren für die Planung, Organisation und Durchführung dieser
Veranstaltung keine Mühen gescheut und umfangreiche Ressourcen aufgeboten.
Die von 24.-26. Oktober 2007 in Antalya, Türkei, zusammengetretene 8.
EBU-Generalversammlung beschließt,
in das Protokoll aufzunehmen, dass die Europäische Blindenunion, alle
Teilnehmer, Beobachter und Blindenführer dem Gastgeber TFB von Herzen ihren
tiefsten Dank für seine herausragende Arbeit aussprechen, dank der diese
Generalversammlung so erfolgreich durchgeführt werden konnte. Alle
Beteiligten, der Planungsausschuss, der türkische Blindenverband und seine
Führungskräfte unter dem äußerst fähigen Vorsitz von Hasan Tatar, der
großzügige finanzielle und menschliche Ressourcen, Organisatoren, Helfer,
Blindenführer, Dolmetscher und freiwillige Hilfskräfte bereitstellte, taten
alles in ihrer Macht Stehende, um einen unvergesslichen Rahmen für diese
Generalversammlung zu schaffen.
Unser Dank gilt auch dem türkischen Werbefonds unter der Schirmherrschaft
des Premierministeriums für seine finanzielle Unterstützung sowie der
EU-Vertretung in Ankara für ihre finanzielle Unterstützung des
Jugendprojekts, der Kooperationsagentur der Türkischen Republik für die
Übernahme der Flugreisen der Delegierten aus sechs weniger wohlhabenden
Ländern sowie der Schifffahrtsverwaltung der Stadt Istanbul für die
Geschenke der Delegierten. Zu guter Letzt gilt unser Dank dem Bürgermeister
von Antalya für den Transport und die Bereitstellung weiterer wichtiger
Dienstleistungen.
Die Mitarbeiter und die Hotelleitung des Dedeman Hotels gestalteten unseren
Aufenthalt äußerst angenehm und verwöhnten uns stets mit hervorragendem,
freundlichem Service.
Die Generalversammlung möchte ferner die von den EBU-Führungskräften in den
vergangenen vier Jahren geleistete Arbeit würdigen:
Präsident Lord Colin Low
Erster Vizepräsident Alexandre Neumyvakin
Zweiter Vizepräsident Prof. Tommaso Daniele
Generalsekretär Vaclav Polasek
Schatzmeister Julien Aimi
Präsidiumsmitglieder:
Xavier Grau Sabaté
Birgitta Blokland
Wolfgang Angermann
Ann-Christin Fast
Vassil Dolaptschiev
Yannis Vardakastanis
sowie die Vorsitzenden aller Kommissionen, Ausschüsse und Arbeitsgruppen..
Veranstaltungskalender |
Gemeinsame Sitzung des Präsidiums mit den Vorsitzenden der EBU-Kommissionen und Gruppenkoordinatoren.
Noch zu bestätigen.
Kontakt: Birgitta Blokland, EBU-Generalsekretärin
E-Mail: bjb202@hotmail.com
Zweites europäisches eAccessibility-Forum – Zugänglichkeit von
elektronischen Büchern: eine Chance für behinderte Menschen
Die Konferenz wird unter der Schirmherrschaft des französischen
Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy, der französischen Ministerin für Kultur
und Kommunikation, Christine Albanel, und der französischen Ministerin für
Hochschulwesen und Forschung, Valérie Pecresse, abgehalten.
http://inova.snv.jussieu.fr/evenements/colloques/ebooks/Description/index_en.php
Erster internationaler Kongress für blinde und sehbehinderte Kinder
Ausgerichtet vom spanischen Blindenverband (ONCE) und dem Kinderausschuss
der Weltblindenunion.
Kontakt: Ana Pelaez, rrii@once.es
6. EBU-Konferenz für Taubblinde und 2. Generalversammlung der Europäischen
Taubblindenunion
Kontakt: Tajana Tarczay, Projektkoordinatorin,
edbu2007@dodir.hr
9. Internationale Konferenz für Sehbehinderte
Bei dieser Konferenz werden Plenarsitzungen und weitere Veranstaltungen
angeboten, bei denen bedeutende Akademiker und Forscher die Ergebnisse ihrer
Arbeit im Bereich der Sehforschung und Rehabilitation sowie der
psychosozialen Aspekte der Wiedereingliederung vorstellen.
www.vision2008.ca
11. International Conference on Computers Helping People with Special Needs
„eQuality: eine internationale Herausforderung“ – Gleicher Zugang zur
Informationsgesellschaft als globale Herausforderung
www.icchp.org
7. Generalversammlung und 4. Frauenforum der Weltblindenunion
www.wbu2008.ch
21. Weltkongress von Rehabilitation International
Behindertenrechte und soziale Beteiligung: eine Gesellschaft für alle
Der Kongress stellt die neue UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit
Behinderungen vor, die einen Rahmen für die Ausarbeitung angemessener
Politiken, Aktionen und Projekte zur drastischen Verbesserung der
Lebensbedingungen Hunderter Millionen Behinderter in aller Welt schafft.
Der RI-Québec 2008 Weltkongress bietet zudem die Möglichkeit, sich drei Tage
lang im Rahmen eines umfassenden Programms mit zahlreichen Veranstaltungen
und Besichtigungen der Sehenswürdigkeiten von Québec mit über 1 500
Experten, Forschern, Verfechtern von Behindertenrechten, Dienstleistern und
Akteuren der Zivilgesellschaft auszutauschen und mit Ausstellern aus aller
Welt zusammenzutreffen, die ihre neuesten Produkte und Dienstleistungen
präsentieren.
Das RI-Netzwerk besteht aus über 700 Organisationen in ca. 100 Ländern und
bietet einen Entwicklungsrahmen für innovative Lösungsansätze. Sein Auftrag
umfasst die Förderung von sozialem Wandel, Integration und
Behindertenrechten.
www.riquebec2008.org oder www.riglobal.org
200. Geburtstag von Louis Braille – Internationale Konferenz
Informationen zu der Veranstaltung und das vorläufige Programm können bei
der Vereinigung Valentin Haüy angefordert werden.
Kontakt: Christian Coudert, ch.coudert@avh.asso.fr