N E W S L E T T E R Nr. 59
November-Dezember 2007

Vom EBU-Büro herausgegeben


Mit finanzieller Unterstützung der
GD Beschäftigung, soziale Angelegenheiten und Chancengleichheit
der Europäischen Kommission

 

Inhalt:

Mitteilung des Herausgebers

Louis Braille Clubs

Revision der EU Richtlinie für Audiovisuelle Dienste

Revision der Postdienst-Richtlinie

Mehrwertsteuer für Audiobücher

Europa hat eine neue Waffe im Anti-Terror Kampf: Blinde Polizisten

Neues aus den Mitgliedstaaten

SPEZIAL : Slowenien

Veranstaltungskalender

[Die in diesem Newsletter vertretenen Meinungen sind die der Autoren und entsprechen nicht zwingend den Ansichten der EBU.]





Mitteilung des Herausgebers


Liebe Leser,

Herzlich Willkommen bei der Ausgabe Nr. 59 des EBU-Newsletter.

Dies ist die letzte Ausgabe der EBU Newsletter vor Ende des Jahres 2007. Wir wünschen unseren Lesern eine fröhliche Weihnachtszeit und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Unser Spezial nimmt Sie dieses Mal auf eine interessante Reise nach Slowenien mit : ein ausführlicher Artikel gibt Ihnen detaillierte Informationen über die Situation der Blinden und Sehbehinderten in Slowenien, insbesondere in den Bereichen Beschäftigung und Rehabilitation.

EBU kämpft nach wie vor auf vielen Gebieten an der EU-Front : die Position des EU-Rates in der Revision der EU-Postdienst Richtlinie ist etwas enttäuschend, was jedoch zu erwarten war. Unsere EU-Verbindungskommission plant bereits Aktionen für die zweite Lesung. Die Revision der Richtlinie für Audiovisuelle Dienste beinhaltet eine Verbesserung, die Erwähnung von Zugänglichkeit. Schließlich setzt sich EBU für unsere blinden Gefährten in Schweden ein, gegen einen Entscheidung der Kommission, die reduzierte Mehrwertsteuer für Audiobücher in diesem Land anzufechten.

Sie finden in dieser Ausgabe ebenfalls einen erstaunlichen Bericht: ein blinder Kriminalbeamter, der im Anti-Terrorkampf eingesetzt wird! Ich weiß nicht genau, inwiefern dies neue Perspektiven für die Beschäftigung von sehbehinderten Menschen öffnet, aber die Geschichte verdient es allemal, gelesen zu werden.

Nicht zuletzt hoffe ich, dass der Aufruf von Tommaso Daniele, dem Förderer des Louis Braille Clubs, erhört wird, und dass Ihre Organisationen, dem Beispiel der Italienischen Blindenunion folgend, die Gründung ihrer eigenen Clubs als guten Vorsatz für das neue Jahr in Erwägung ziehen.

Ich wünsche Ihnen viel Spaß bei der Lektüre dieser Ausgabe!

Für Kommentare und Anregungen steht Ihnen folgende E-Mail-Adresse zur Verfügung: ebuoffice@euroblind.org 
 

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Louis Braille Clubs

 

Wenn Louis Braille am 4. Januar 2009 noch am Leben wäre, dann würde er zwei Jahrhunderte alt sein. Frankreich, WBU, EBU und zahlreiche nationale Blinden- und Sehbehindertenorganisationen organisieren große Veranstaltungen, um seinen Geburtstag zu feiern. All dies ist zwar sehr gut, aber nicht genug.

Wenn Louis Braille jetzt hier wäre, dann würde er vermutlich sagen: „Wenn sie mich lieben, dann sprechen Sie nicht nur an meinem Geburts- oder Todestag von mir und meinem Schriftsystem. Bitte tun Sie das jeden Tag, weil es äußerst wichtig ist, die Welt ständig an die Bedeutung von Braille zu erinnern.”

Wenn Louis Braille jetzt hier wäre, dann würde er wahrscheinlich alle nationalen Blindenorganisationen darum bitten, eine ständige Einrichtung mit den folgenden spezifischen Aufgaben zu entwickeln: erstens, das originale, universale und unersetzbare Braille System zu fördern und seine Bedeutung herauszuragen. Zweitens, den didaktischen und pädagogischen Wert von Braille zu unterstreichen, dem einzigen Schriftsystem welches von einem Blinden für Blinde erfunden wurde.

Der Italienische Blinden- und Sehbehindertenverband gründete bereits einen Italienischen Braille Club und begann damit, Louis Brailles Traum zu erfüllen.
Wir haben alle Freunde von Louis Braille in 3 Gruppen unterteilt: Personen, private und öffentliche Organisationen. Das angesammelte Geld dient den folgenden vier Zielen:
 

    Jedes Jahr spenden wir eine beträchtliche Summe an das Louis Braille Museum in Coupvray, Frankreich, wo Louis Braille geboren wurde.
    Wir haben eine ständige Ausstellung im Blindeninstitut in Milan eingerichtet, die Louis Brailles Lebensgeschichte erzählt und die technische Entwicklung von Braille darstellt.
    Alle 6 Monate gibt der Italienische Braille Club eine Newsletter aus, um seine Mitglieder, Politiker und die Gesellschaft über seine Aktivitäten zu informieren.
    Die Bedeutung von Braille wurde vor allem durch das italienische Parlament unterstützt, welches ein Gesetz erließ, mit dem der 21. Februar zum nationalen Braille-Tag erklärt wurde. Um diesen Tag zu gedenken, führen die Club Mitglieder Sensibilisierungsaktivitäten in Schulen, im Fernsehen und in Radioprogrammen durch, und organisieren Seminare über Braille und damit verbundene Themen (Schulbücher, spezialisierte Lehrer, spezielle Lehrmethoden und Bildungsaktivitäten für blinde und sehbehinderte Kinder)
 

We hope that a great many organisations of the blind worldwide will follow suit and create their own national braille clubs. All together, let us translate into reality what a young blind from Togo once wrote : “Braille is the hidden treasure for blind people all over the world.”

Further information from Tommaso Daniele, Italian Union of the Blind and Partially Sighted, inter@uiciechi.it
Wir hoffen, dass zahlreiche Blindenorganisationen weltweit diesem Beispiel folgen und ihre eigenen nationalen Braille Clubs bilden werden. Ein junger Blinder aus Togo schrieb einst: “Braille ist der verborgene Schatz für blinde Menschen auf der ganzen Welt”. Dies können wir gemeinsam Wirklichkeit werden lassen.

Nähere Informationen erteilt Tommaso Daniele vom Italienischen Blinden- und Sehbehindertenverband inter@uiciechi.it
 
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Revision der EU Richtlinie für Audiovisuelle Dienste 

Am 29. November wurde die vom Ministerrat eingereichte EU Richtlinie für Audiovisuelle Dienste vom Europäischen Parlament angenommen. Das Europäische Parlament brachte keine Änderung zum vom Rat angenommenen Wortlaut.

Dies bedeutet das Ende der europäischen Verhandlungen über diese Richtlinie. Die Richtlinie erlangt in den nächsten Tagen, wenn sie im Amtsblatt der Europäischen Union veröffentlicht wird Rechtskraft. Die Mitgliedsstaaten haben dann 2 Jahre Zeit, um ihre Forderungen in die Tat umzusetzen.

Die Lobbyarbeit der EBU führte zu einer Zusatzklausel für Behinderte: Es handelt sich um Artikel 3c:


„Artikel 3 c
Die Mitgliedstaaten bestärken die ihrer Rechtshoheit unterliegenden Mediendiensteanbieter darin, ihre Dienste schrittweise für Hörgeschädigte und Sehbehinderte zugänglich zu machen.“


Obwohl man mit dem Wort „bestärken“ nicht von einer Verpflichtung sprechen kann, so ist dieser Artikel doch erwähnenswert wenn wir Lobbyarbeit durchführen, um bei unseren Ländern mehr Audiobeschreibung, Audiountertitel, etc. zu erzielen. EBU wird in den nächsten zwei Jahren mit der Kommission zusammenarbeiten müssen, um sicherzustellen, dass diese Erforderung korrekt kontrolliert wird und dass sie auch zu Verbesserungen führt.

Diese Richtlinie ist jedenfalls viel besser als die vorherige, die Zugänglichkeit für Behinderte überhaupt nicht erwähnte.

Nähere Informationen erteilt Dan Pescod, Verantwortlicher für europäische und internationale Kampagnen, RNIB, Dan.Pescod@rnib.org.uk 

 

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Revision der Postdienst-Richtlinie

Am 8. November veröffentlichte der Rat seine Position über die Revision der Postdienst-Richtlinie. Der Rat sprach sich für einen Wortlaut aus, der den Mitgliedsstaaten die Beibehaltung oder Einrichtung portofreier Postsendungen für blinde und Sehbehinderte ermöglicht, wobei er unseren Aufruf, daraus eine VERPFLICHTUNG zu machen, zurückwies.

Die Zweite Lesung der Richtlinie wird vermutlich am 30. Januar 2008 stattfinden. Wie sie bereits wissen, sprach sich das Parlament in seiner Ersten Lesung für unsere Position aus, und verabschiedete die Änderungsanträge 47 und 26:

N°47 ist der Hauptänderungsantrag und lautet:
ARTIKEL 1, ABSATZ 14.a, Artikel 12, Absatz 1 (Richtlinie 97/67/CE)
“Die Mitgliedstaaten gewährleisten die Erbringung kostenloser Postdienstleistungen für Blinde und Sehbehinderte“


Der Änderungsantrag 26 bezieht sich auf Erwägungsgrund 23 und lautet:
"(23) In Anbetracht der Bedeutung der Postdienste für Blinde und Sehbehinderte als Kunden der Postdienste sollte bekräftigt werden, dass in einem wettbewerbsfähigen und liberalisierten Markt eine Verpflichtung für die Mitgliedstaaten bestehen sollte, die Erbringung kostenloser Postdienstleistungen für Blinde und Sehbehinderte zu gewährleisten."

Es ist in der Regel schwieriger, die Änderungsanträge in der Zweiten Lesung durch zu kriegen. Das Parlament kann jedoch Änderungsanträge, die es in der Ersten Lesung vorgeschlagen hat, erneut wählen, wenn eine absolute Mehrheit der Parlamentsmitglieder dies unterstützt. EBU bittet die Parlamentsmitglieder, die oben genannten Änderungsanträge erneut in den Wortlaut einzubringen.

Die verschiedenen politischen Gruppen treffen sich Anfang Januar, um sich über ihre Wahlposition hinsichtlich verschiedener Themen zu einigen. Wir müssen dringend die Parlamentsmitglieder im Dezember 2007 darum bitten, unsere Anfrage für die Wiedereinführung des Änderungsantrags 47 zu unterstützen.

EBU wird sich mit dem Berichterstatter und den Schattenberichterstattern in Verbindung setzen, um ihnen dieses Anliegen nahe zu bringen, und ein Treffen Anfang Januar vorschlagen, sollten sie dieses Thema weiter diskutieren wollen. EBU hofft, diesen Änderungsantrag in den Wortlaut wieder einfügen zu können, um diese vitale Dienstleistung für die Zukunft aufrecht zu erhalten!

Nähere Informationen erteilt Dan Pescod, Verantwortlicher für europäische und internationale Kampagnen, RNIB, Dan.Pescod@rnib.org.uk 
 


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Mehrwertsteuer für Audiobücher

Die Europäische Kommission ist im Zuge, ein Rechtsverstoßverfahren gegen den Mehrwertsteuersatz auf Audiobücher (6%) in Schweden einzuleiten. Demnach sei es verfassungswidrig, auf Audiobüchern den gleichen Mehrwertsteuersatz wie auf Büchern zu beziehen, weil sie keine Bücher im klassischen Sinne des Wortes sind.

Dies ist ein klarer Fall von indirekter Diskriminierung gegenüber Blinden, Seh- und anderen Behinderten. Die schwedische Regierung traf die Kommission mit Unterstützung von Verlagen, der schwedischen Vereinigung für Sehbehinderte (SRF) und andere Interessenvertreter der Industrie, um diesen Fall zu bekämpfen.

Ein starker Brief, von EBU und der Föderation der Europäischen Verlage mitunterzeichnet, wurde an José Manuel Barrosco, dem Präsidenten der Kommission, sowie an relevante Kommissare, dem Rat und dem Parlament über dieses Thema verschickt.

Selbstverständlich halten wir unsere Leser über neue Entwicklungen auf dem Laufenden.

Nähere Informationen erteilt Anne Spinali, zuständig für europäische Kampagnen, RNIB: anne.spinali@rnib.org.uk 

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Europa hat eine neue Waffe im Anti-Terror Kampf: Blinde Polizisten


ANTWERPEN, Belgien: Sacha van Loo, 36, ist kein typischer Polizist. Er benutzt einen weißen Stock anstelle einer Waffe. Und er kann am Geräusch eines Motors auf einem Tonband erkennen, ob der Verdächtige einen Peugeot, Honda oder Mercedes fährt.


Van Loo ist eine von Europas neuesten Waffen im globalen Kampf gegen Terrorismus und organisierter Kriminalität: ein blinder Sherlock Holmes, der durch seine Behinderung Hinweise wahrnimmt, die sehende Polizisten nicht sehen.

„Als Blinder musste ich zwangsweise lernen, meine anderen Sinne auszuprägen, und meine Stärke als Polizist liegt in meinen Ohren“, sagt er in seinem Büro der Belgischen Bundespolizei. Ein von Kugeln durchlöchertes Papier von einer Zielschiessübung hängt stolz an der Wand. „ Wenn man blind ist, muss man auch seine Grenzen erkennen“, fügt er mit einem Lächeln hinzu, und erklärt, dass ein sehender Trainer seine Hände während der Übung führte, „damit niemand verletzt wurde“.

Van Loo, ein dünner, von Geburt aus blinder Mann, ist einer von sechs Polizisten in einer Pionier-Mannschaft, spezialisiert auf die Übertragung und Analyse von Tonbandaufnahmen aus Abhöraktionen in Kriminaluntersuchungen. Der gelernte Linguist, der zum Spaß Serbokroatisch lernte, bedauert, dass man ihm nicht erlaubt, eine Waffe zu tragen oder Verhaftungen durchzuführen. Sein Hörsinn ist jedoch so stark ausgeprägt, dass Paul van Thielen, ein Direktor der Belgischen Bundespolizei, seine Fähigkeiten mit denen eines Superhelden vergleicht.

Wenn die Polizei den Anruf eines verdächtigen Terroristen abhört, kann Van Loo sofort die Nummer anhand der gewählten Töne identifizieren. Durch den Wiederhall einer Stimme an einer Wand kann er schließen, ob der Verdächtige sich in einer Flughafenhalle oder in einem überfüllten Restaurant befindet. Die belgische Polizei bemühte sich kürzlich, einen Drogenschmuggler auf einer Tonbandaufnahme zu identifizieren, und war zu dem Schluss gekommen, dass es sich um einen Marokkaner handeln müsste. Van Loo, der eine „Bibliothek von Akzenten in seinem Kopf“ hat, versicherte, dass es sich um einen Albaner handelte, was nach der Festnahme bestätigt wurde.

„Ich musste lernen, mein Ohr zu trainieren, um zu wissen, wo ich mich befinde. Nur so kann ich die Strasse überqueren oder in einen Zug einsteigen, es geht ums Überleben“, sagt er. „ Einige Leute verlieren sich in Hintergrundsgeräuschen, aber als Blinder muss ich Geräusche im Geiste filtern und in verschiedene Kanäle leiten. Dies sind die kleinen Details, die bei der Lösung eines Verbrechens den Unterschied machen. "

Die Auseinandersetzung mit seiner Behinderung, so sagt er, gab ihm auch die nötige dicke Haut, um mit dem Stress in diesem Job zu leben. „ Ich lausche Kriminellen, die einen Mord planen, Drogendealern, die ihre Drogenübergabe planen, Männern, die sich gegenseitig zusammenschlagen. Als Blinder bin ich zäh und das hilft mir, die Dinge nicht zu sehr an mich geraten zu lassen.“

Die blinde Polizeieinheit nahm ihre Arbeit im Juni auf, nachdem Van Thielen, auf seiner Suche nach besserer Öffentlichkeitsarbeit, von einem blinden Polizisten in den Niederlanden hörte. Es wurde ihm klar, dass Blinde für die Interpretation von Tonbandaufnahmen fähiger sein könnten als Sehende. Diese Idee erhielt zusätzlichen Antrieb, als die belgische Regierung vor einigen Jahren ein Gesetz verabschiedete, dass der Polizei mehr Befugnis gab, Tonbandaufnahmen in der Untersuchung von 37 Verbrechensarten zu nutzen, unter anderem bei Terrorismus, Mord, organisiertes Verbrechen und Entführung von Minderjährigen.

Die Polizei erkannte auch, dass blinde Polizisten wie Van Loo sehr wertvoll sein könnten in Anti-Terror Untersuchungen, weil Tonbandaufnahmen von Wanzen im Telefon oder Haus einer Terroristengruppe oft durch laute Hintergrundgeräusche gedämpft sind. Daher bräuchte man ein sehr geübtes Ohr, um Stimmen zu erkennen. Alain Grignard, ein Senior Antiterrorist Offizier in der Brüsseler Bundespolizei, betont, dass Wanzen sich sehr nützlich erwiesen bei der jüngsten Festnahme einer breiten Terroristengruppe in Belgien, die für einen Aufruhr im Irak rekrutierten.

Van Loo hat nicht nur seht geübte Ohren, er ist auch ein erfahrener Übersetzer, der sieben Sprachen spricht, inklusive russisch und arabisch, eine Fähigkeit, die ihn laut Grignard unentbehrlich macht, da sein Erkennen von Akzenten ihm helfen kann, zwischen, z.B., einem ägyptischen oder marokkanischen Verdächtigen zu unterscheiden. „Man muss jeden möglichen Vorteil nutzen im Anti-Terrorkampf, und ein blinder Polizist mit Sprachkenntnissen kann eine starke Waffe sein.“

Die belgische Polizei zeigte sich erstaunt über die hohe Anzahl von qualifizierten Bewerbern für die Stelle. Voraussetzung für die Einstellung waren ein exzellentes Gehör, anhand eines speziellen Tests gemessen und 33% Sehbehinderung. Van Thielen, der Polizeichef, sagte, dass er Dutzende von Bewerbern zurückweisen musste, die eine zu gute Sehfähigkeit hatten. Unter anderem sorgte ein „blinder“ Mann, der im Auto zum Vorstellungsgespräch kam, für Überraschung.

Mit der Einstellung Blinder entstanden neue Herausforderungen, erinnert sich Thielen. Ein Gesetz von 2006 welches Zivilisten, die forensische Arbeit leisten, einige polizeiliche Befugnisse zugesteht, jedoch das Tragen von Waffen oder die Vollziehung von Festnahmen verbietet, gibt ihnen einen besonderen Status. Die blinde Einheit ist demnach fast ausschließlich für die Untersuchung von Tonbandaufnahmen eingestellt worden und soll keinen gefährlichen Situationen ausgesetzt werden.

Van-Thielen, ein Veteran des Nicht-Unsinns, musste auch dem Widerstand anderer Veteranen der Polizeitruppe gegenüberstehen, die fürchteten, dass blinde Kollegen eine Last sein würden. Andere hatten Bedenken, wie man sich gegenüber Blinden verhalten sollte, und fragten, ob ein „Auf Wiedersehen“ eine Beleidigung darstellen würde. Um sie zu beruhigen, organisierte van Thielen Sensibilitätstrainings mit blinden Freiwilligen. Ein Hinweis: Lassen Sie keine Computerkabel auf dem Boden liegen, da blinde Offiziere darüber stolpern könnten.

„Die erste Reaktion, als Polizeioffiziere hörten, dass Blinde hier arbeiten würden, war Lachen, sie meinten, wir seien hier bei der Polizei und nicht bei der Wohlfahrt.“ Die Einstellung änderte sich jedoch als die blinden Offiziere ankamen und ihre Entschlossenheit zeigten, zu arbeiten und sich nützlich zu machen.“ Nicht nur die Einstellungen mussten verändert werden. Zusätzlich wurden Fahrstühle mit stimmgesteuerten Knöpfen eingerichtet, und jeder blinde Offizier erhielt einen 10.000 Euro Computer mit Braillezeile und einem Sprachsystem, das Bilder in Stimme übersetzt.

Zur Verschriftlichung einer Tonbandaufnahme setzt Van Loo Kopfhörer auf und lässt seinen Zeigefinger über eine lange Braillezeile unter seiner Tastatur gleiten, wo die Zeichen das darstellen, was auf seinem ausgeschaltetem Computerbildschirm, erscheinen würde. Wenn er hinausgeht, trägt er ein kompaktes GPS der Polizei, mit einer Stimme, die ihn Strasse für Strasse zu seinem Ziel führt.

Van Loo ist Vater von 2 Kindern und führt seinen Erfolg darauf zurück, dass seine Eltern ihn sehr früh lehrten, unabhängig zu sein. Sein Vater, ein Filmfan, nahm ihn als Kind oft ins Kino mit. Er brachte ihm auch bei, Auto zu fahren, nahm ihn auf seinem Schoss und führte seine Hände auf dem Lenkrad. Seine Fähigkeit, sich anzupassen, wurde, so meint er, dadurch verstärkt, dass er eine Regelschule besuchte. Er besuchte auch eine Sonderschule für Blinde, wo er lernte einen weißen Stock zu nutzen und Russisch in Brailleschrift zu lesen. Als Entspannung fährt er Ski, reitet oder spielt die arabische Laute. „Meine Eltern akzeptierten meine Blindheit, und das half mir, sie ebenfalls zu akzeptieren“ so van Loo. „Die Tatsache, dass sie nicht risikoscheu waren, war ebenso sehr hilfreich“.

Cingy Gribomont, Trainingsleiterin in der Braille Liga in Brüssel, einem Institut für Blinde, welches der Polizei mit der Einstellung zur Hilfe stand, sieht ihre größte Herausforderung darin, die Vorurteile der Arbeitgeber zu bewältigen. „Arbeitgeber brauchen Ermutigung, weil sie Angst davor haben, Behinderte einzustellen.“ Van Loo, seinerseits, sagt, dass er fest entschlossen ist, sich nicht von seiner Behinderung überwältigen zu lassen. „Es ist nicht immer einfach, blind zu sein. Ich konzentriere mich nicht darauf. Ich leugne es nicht. Aber es ist tragisch, dass ein blinder Polizist immer noch als eine Ausnahme betrachtet wird.“

[ Mit freundlicher Genehmigung der International Herald Tribune abgebildet]
International Herald Tribune, Monday, October 29, 2007, Dan Bilefsky
http://www.iht.com/bin/printfriendly.php?id=8100944

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Neues aus den Mitgliedstaaten

 

Spanien führt Wahlverfahren für Sehbehinderte ein

Der spanische Ministerrat verabschiedete ein königliches Dekret, dass blinden und Sehbehinderten geheimes Wählen ermöglicht.

Der Rat bestätigte, dass dieses neue Wahlverfahren bereits für die kommenden Wahlen im März 2008 eingeführt wird.

Es wird ebenfalls in den Wahlen des Europäischen Parlaments, regionalen Verbänden und Referenden eingesetzt. Für örtliche Wahlen müssen wegen der Aufwendigkeit des Prozesses besondere Vorschriften eingeführt werden.

Die Regierung hofft darauf, dass 15 000 Wähler dieses System nutzen werden, was mit 20 Euro pro Person zu einer Gesamtkostenzahl von 300 000 Euros pro Wahl führt. Die gesamte Investition pro Wahl inklusive Werbungskosten, öffentliche Informationskampagnen und Bewerbungen, beläuft sich auf 600 000 Euro.

Das Wahlverfahren sieht vor, dass sobald das Innenministerium eine Bewerbung erhält, der Präsident von jeder Wahlstation dem Wähler einen Umschlag mit Anweisungen und Wahlumschlägen übergibt für jede Partei, wo der Name in Druckschrift und in Braille erscheint.
Bei Senatswahlen, wo das Wahlverfahren eine offene Liste vorsieht, wird der Umschlag eine Vorlage mit Löchern enthalten. Diese wird über den normalen Stimmzettel gelegt, damit die Wähler ihre Wahl mit einem Kreuz kennzeichnen.

Das königliche Dekret schreibt auch für jede Wahlstation einen speziell zugeteilten, zugänglichen und angemessenen Platz vor, um die Privatsphäre des Wählers so nah wie möglich an der Wahlkabine zu gewährleisten.

Dies ist ein großer Erfolg nach einer langen Verhandlungszeit.

Nähere Informationen erteilt Ana Peláez Narváez, apn@once.es

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Vodafone Portugal bringt Vodafone Say auf den Markt

Vodafone führte vor kurzem den Vodafone Say Netztarifplan ein, der spezielle Bedingungen im mobilen Breitband Internetzugang für Menschen mit besonderen Bedürfnissen vorsieht. Im August hatte Vodafone Portugal eine neuere Version des Produkts Vodafone Say eingeführt (seit Juli 2005 auf dem Markt), das Blinden und Sehbehinderten ermöglicht, alle Funktionen eines Handys zu nutzen.

Vodafone Say ist bereits kostenlos auf über 700 Handys installiert worden. Es ist speziell für Sehbehinderte entwickelt und erlaubt ihnen, mit Hilfe einer TTS (Text to Speech) Übersetzung alle Funktionen eines Mobiltelefons zu nutzen.

Dies bedeutet, dass Blinde oder Sehbehinderte verschiedene Dienstleistungen wie SMS, MMS oder Email nutzen können, oder auf dem Vodafone live Portal surfen können. Sie können ebenfalls erfahren, wer sie anruft, jemanden über ihr Adressbuch anrufen, den Kalender aufrufen, Empfangsqualität und Batteriestand prüfen, sowie Datum und Zeit hören, usw.

Vodafones Ziel ist es, durch dieses Angebot mit speziellen Tarifen und angepassten Telefonen, zu einem effizienten, verbesserten Zugang und zur Integration dieser sozialen Gruppe in die Informationsgesellschaft beizutragen.
http://www.vodafone.com/start/media_relations/news/local_press_releases/portugal/portugal_press_release/mobile_broadband_for.html



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Das Projekt „Light in Darkness“ auf der Suche nach Partnern

Der ungarische Sport und Freizeitverband für Sehbehinderte sucht nach 2 Partnerorganisationen für das Wanderprojekt „Light in Darkness” (Licht in der Dunkelheit).

Sehende Teilnehmer werden von ihren blinden Freunden geführt und haben somit die Möglichkeit, das Leben eines Sehbehinderten zu erleben; Ebenso haben blinde Menschen die Möglichkeit, Aktivitäten auszuüben, von denen sie normalerweise ausgeschlossen sind (Extremsportarten, usw.)

Bewerbungen vor 1. Februar 2008.
Bei Interesse wenden Sie sich bitte an Judit Gombás (LÁSS, Látássérültek Szabadidős Sportegyesülete), gombas.judit@gmail.com
 
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SPEZIAL: Slowenien

Stellung und Aussichten der blinden und sehbehinderten Erwachsenen in Slowenien

 Von Tomaz Wraber und Alenka Bera, Verband der Blinden und Sehbehinderten von Slowenien

1. EinführungIntroduction

Ziel dieser Arbeit ist es, die Lage der Staatsbürger der Republik Slowenien zu beschreiben, die älter als 21 waren, als sie blind oder sehbehindert wurden. Diese Menschen haben die Möglichkeit verpasst, an Sonderprogrammen für Ausbildungen von Blinden oder Sehbehinderten teilzunehmen. Für sie ist es eine völlig neue Situation, blind oder sehbehindert zu sein. Sie bräuchten deshalb, abgesehen von den existierenden Beihilfen, ein umfangreiches berufliches Rehabilitationsprogramm um sie bestmöglich für ein selbständiges persönliches, professionelles und öffentliches Leben vorzubereiten.

Die Definition von Blindheit und Sehbehinderung in Slowenien (1) entspricht fast der WHO Definition in 2003 (2).

Die slowenische Definition sieht fünf Kategorien von Sehbehinderung vor: 1 und 2 für Sehbehinderung, 3, 4 und 5 für Blindheit.
 


2. Vergangenheit und Gegenwart der Blindenfürsorge in Slowenien

Wir feiern dieses Jahr den 85. Geburtstag von organisierter Blindenfürsorge.
Der erste Blindenverband wurde nach der Zerstörung des österreicherisch-ungarischem Imperiums in Ljubljana errichtet. Grosse Veränderungen geschahen nach dem zweiten Weltkrieg. Unter anderem wurde die Blindenfürsorge Teil der Ideologie der Regierung. Kurz gefasst wurde die Situation folgendermaßen betrachtet: Faschismus und Nazismus bewirkten den Krieg, welcher zu einem großen Anstieg der Zahl der Blinden und Sehbehinderten führte. Den Opfern des Faschismus musste geholfen werden. Dies brachte die Regierung dazu, ein sehr solides Bildungssystem für Blinde zu entwickeln. Die meisten Blinden erhielten einen Arbeitsplatz oder durften in Rente gehen, keiner blieb arbeitslos. In Zeiten, wo das Land insgesamt unter großer Knappheit litt, war die organisierte Blinden- und Sehbehindertenfürsorge unter den besten in Europa. Das Gesetz besagte sogar, dass Blinde Telefonisten bei Anstellung Priorität hatten. Leider folgte die Entwicklung der Blinden und Sehbehindertenfürsorge später nicht dem allgemeinen Trend in anderen Ländern.

Dies wird zunehmend deutlich wenn wir die Zahlen der beschäftigten und beschäftigungslosen Mitglieder des größten von 9 Verbänden betrachten, die die Union der blinden und Sehbehinderten von Slowenien bilden. (nachstehend als „Union“ bezeichnet. Tabelle 1 zeigt die Daten für die Jahre 1968, 2000 und 2004.)

Tabelle 1
Zahl der beschäftigten und beschäftigungslosen Mitglieder des Verbandes der Blinden und Sehbehinderten von Ljubljana in 1068, 2000 und 2004
 
Jahr 1968 2000 2004
Gesamt-      
Mitgliederzahl 420 (100 %) 830 (100 %) 960 (100 %)
Zahl der beschäftigten      
Mitglieder  114 (27.1 %) 57 (6.87 %) -75 (7.7 %)
Zahl der beschäftigungslosen*      
Mitglieder 0 (0 %) 8 (0.96 %) 15 (1.56 %)


* beschäftigungslos – registrierte Arbeitssuchende

Alarmierend ist, dass 1968 27,1% der Mitglieder beschäftigt waren, während 2004, als die Mitgliedschaft doppelt so hoch war, die Beschäftigungsrate auf 7,7% fiel. Die niedrige Zahl der Beschäftigungslosen/Arbeitslosen in 2004 erklärt sich durch die hohe Zahl der jungen Pensionierten, wie man in der Tabelle 2 sieht.

Tabelle 2
Zahl der beschäftigten, pensionierten und beschäftigungslosen Mitglieder des Verbandes der Blinden und Sehbehinderten von Ljubljana zwischen 20 und 65 , am 31. Dezember 2004
___________________________________________________________________
Unter allgemeinen Umständen beschäftigt                                          254
Unter Sonderbedingungen beschäftigt
- Unternehmen, die Behinderte Menschen einstellen                           30
Gesamtzahl der Personen im Ruhestand                                         2,126
Personen im Ruhestand zwischen 20 und 65                                     853
Beschäftigungslos – angemeldete Arbeitssuchende                 59

Hauptgründe für die hohe Anzahl an Rentnern (2126 von 3717 Mitgliedern) sind das hohe Alter der Mitglieder und die hohe Zahl der Frührentner. Die Zahl der Beschäftigten unter allgemeinen Bedingungen ist relativ niedrig- 254, und unter Sonderbedingungen nur 30. Zwei Angaben sind besorgniserregend: die sehr hohe Anzahl von pensionierten Mitgliedern zwischen 20 und 65 (853) und die sehr niedrige Zahl von aktiven Arbeitssuchenden (nur 59).

 
3. Die Rechte der Blinden und Sehbehinderten in Slowenien

 Und von welchen Rechten kann eine erwachsene Person, die Blind oder sehbehindert geworden ist Gebrauch machen? Die Pflichtkrankenversicherung sieht vor, dass dieser Person eine Grundausstattung zusteht: ein weißer Stock, eine dunkle Brille, einen Kassettenrecorder und eine Brille. Unter bestimmten Bedingungen kann eine blinde Person auch eine Braille Schreibmaschine oder einen Blindenhund erhalten. Sie ist jedoch nicht dazu befugt, ein elektronisches Vergrößerungsglass oder blindengerechte Computer zu erhalten.

Pension und Invaliditätsversicherung sind für jede arbeitende Person gesetzlich vorgeschrieben. Im Falle einer Erblindung (Kategorien 3, 4 und 5 in der slowenischen Definition), steht der Person ein Beihilfezuschlag von 239 Euros netto pro Monat zu. (Zum Vergleich: 2004 erhob sich das Durchschnittsbruttogehalt in Slowenien auf 1112 Euro im Monat, also 700 Euros netto). Bei einer arbeitsunfallbedingten Erblindung beläuft sich die Beihilfe auf ca. 83 Euros im Monat. Wenn der Unfall jedoch nicht arbeitsbedingt war, dann sind es nur 53 Euros. Sehbehinderte der Kategorie 2 erhalten nur 50% der Beihilfe.

Das System in Slowenien bietet den Blinden und Sehbehinderten materielle und finanzielle Unterstützung, diese reicht jedoch für ein selbständiges Leben nicht aus. Wir sprachen mit vielen blinden und sehbehinderten Erwachsenen und fanden heraus, dass ihre größte Angst darin liegt, von der Gesellschaft ausgeschlossen zu sein und ihre Arbeit, ihre Existenzgrundlage zu verlieren. Eine gute und umfassende Rehabilitation würde ihre Fähigkeit zu einem selbständigen Leben erheblich verbessern.

 
4. Rehabilitationsmöglichkeiten in Slowenien

Was sind die Möglichkeiten für umfassende Rehabilitation in Slowenien? Die
Gesetzgebung sieht die Rehabilitation der Blinden und Sehbehinderten nur in zwei Fällen vor: Das Gesetz für die Rehabilitation und Beschäftigung von Personen mit Behinderungen, welches im Juni 2004 in Kraft getreten ist, gewährleistet Rehabilitation von arbeitslosen Behinderten, um ihre Beschäftigungsmöglichkeiten zu fördern. Leider wurden die gesetzlichen Regulierungen noch nicht eingeführt, so dass dieses Gesetz noch nicht gilt.

Das Gesetz für Pension und Behinderungsversicherung ermöglicht professionelle Rehabilitation für alle Angestellten, die während ihrer Beschäftigung behindert werden, sofern solch eine Rehabilitation sie für eine andere Arbeit qualifiziert. Dieses Recht kann jedoch nur bis 50 in Anspruch genommen werden. Die Daten für Rehabilitation erscheinen in Tabelle 3

Tabelle 3
Verhältnis zwischen neuen Mitgliedern über 21 Jahren und Mitgliedern, die
sich im Zentrum für Blinde und Sehbehinderte (CSS)in Skofja Loka zwischen 1990 und 2003 einer Rehabilitation unterzogen haben



Tabelle 3
Jahr Neue Mitglieder
über 21
Zahl der neuqualifizierten
Mitglieder im CSS
Prozentzahl
neuqualifiz
19900 139 11 7.91
1991 144 6 4.18
1992 142 10 7.06
1993 131 6 4.59
1994 152 10 6.58
1995 184 13 7.06
1996 246 9 3.67
1997 219 9 4.11
1998 147 11 7.51
1999 215 6 2.79
2001 194 9 4.64
2002 205 6 2.93
2003 192 7 3.64
Summe(1990 bis 2003) 2,4377 119 4.88
Summe (1994 bis 2003) 1,8333 86 4.57
- -  

In den vergangenen 14 Jahren kamen durchschnittlich 174 neue Mitglieder im Jahr zu unserer Union, mit einem leichten Trend nach oben. In diesen 14 Jahren konnten nur 4,84% ihr Recht auf Rehabilitation geltend machen, und in den vergangenen 10 Jahren nur 4,75%. Diese Zahlen sind weitaus zu niedrig.
Sollte man daraus schließen, dass 95% der Menschen mit einer Sehbehinderung als überflüssig, unnutz und zu unbedeutend betrachtet werden müssten, um für Menschen außerhalb der Union Bedeutung zu haben? Der Zustand von Sehbehinderung ist mindestens 10-mal mehr verbreitet als Blindheit (3). Dies bedeutet, dass die Zahl der Menschen, die Rehabilitation brauchen viel höher ist. Im Jahre 2004 waren 2237 der 3717 Mitglieder der Union blind und nur 1480 sehbehindert. Daraus kann man schließen, dass es außerhalb der Organisation mindestens Tausende von Sehbehinderten Menschen gibt

Eine andere besorgniserregende Entwicklung ist die Schließung des CSS in Skofja Loka, dem einzigen Rehabilitationszentrum für Blinde und Sehbehinderte in Slowenien, einer Regierungsentscheidung folgend. Diese Entscheidung wurde später abgeändert, aber das Zentrum hat bis jetzt seine Tätigkeit nicht wieder aufgenommen.

Die Mitgliedsverbände unserer Union sind daher die einzigen Organisationen, die sich um die Rehabilitation und Ausbildung der Blinden und Sehbehinderten kümmern. Sie bieten jedoch nur eine Grundrehabilitation an, bestehend aus ein- oder mehrtägigen Seminaren. Es gibt keine individuellen Trainingsprogramme und die Mitglieder leiten die Seminare meist selbst, mit nur gelegentlicher Hilfe von Fachmännern.

Die Folgen von solch begrenzten und kürzlich nahezu nicht-vorhandenen Rehabilitationsmöglichkeiten sehen Sie in Tabelle 2. Vermutlich würde eine umfassende Rehabilitation zumindest die hohe Anzahl der Frührentner erheblich senken und auch andere Ergebnisse mit sich bringen.

 
5. Diskussion

Zusammenfassung: In Slowenien haben Erwachsene, die blind oder sehbehindert werden Anspruch auf einige finanziellen Vorteile und eine Basisausstattung. Bis vor kurzem war das Recht auf Rehabilitation in reduzierter Form nur einigen wenigen vorbehalten. Obwohl das Gesetz nun dieses Recht vorschreibt, kann es nicht vollzogen werden, weil es keine Institution gibt, die dieses durchführen kann.

Die slowenische Gesetzgebung erkennt das Recht auf eine umfassende Rehabilitation für Blindheit oder Sehbehinderung schlechthin nicht an. Ein Verlust der Sehfähigkeit ist eine Folge von Krankheit oder Verletzung. Deshalb sollte das Recht auf umfassende Rehabilitation in der Gesundheitsgesetzgebung verankert sein, im Gesetz für Gesundheitspflege und Krankenversicherung. Wir, die Blinden und Sehbehinderten von Slowenien, tun unser bestes um eine Veränderung in der Gesetzgebung zu erreichen, vor allem da dieses Recht bereits in der Gesetzgebung für Menschen mit Mobilitätsbeschränkungen mit einbezogen ist.

Die Grundlagen, um eine umfassende Rehabilitation für Blinde und Sehbehinderte im Rahmen des Gesundheitssektors mit einzubringen bestehen bereits. Die Augenkliniken von Ljubljana und Maribor haben bereits eine Abteilung für Sehbehinderung. Ebenso sind viele augenärztliche ambulante Kliniken teil des Krankenversicherungsnetzes. Das Gesundheitswesen hat ein bestehendes System für Triage und Überweisung an Spezialisten und Subspezialisten und arbeitet oft mit nicht-medizinischen Berufen zusammen. Deshalb gibt es keinen Grund, weshalb Augenärzte nicht andere Experte mit einbeziehen könnten, wie z. B. besondere Pädagogen für Sehbehinderte, Orientierungsspezialisten, Sehbehinderungstherapeuten etc. Und zu guter letzt gibt es praktisch keine altersbedingten Grenzen für medizinische Berufe. Dies bedeutet, dass eine umfassende Rehabilitation der Blinden und Sehbehinderten im Rahmen des Gesundheitssystems auch für die älteren zugänglich sein würde.

Abschließend würden wir Sie gerne auf eine wichtige Tatsache hinweisen: Die Europäische Union verabschiedete ein sehr detailliertes Gesetz, welches für alle Mitgliedsstaaten in vielen Gebieten rechtsverbindlich ist. Leider gibt es keine verbindlichen Standards hinsichtlich des Mindestschutzes der Rechte von Blinden und Sehbehinderten, welche das Recht auf umfassende Rehabilitation hervorgehend aus Blindheit und Sehbehinderung schlechthin mit einbezieht. Vielleicht sollte die Europäische Blindenunion zusammen mit den beruflichen Augenarztverbänden die Initiative ergreifen, und den zuständigen EU Gremien eine relevante Gesetzgebung auf diesem Gebiet vorschlagen.

Rechtsverbindliche Standards sind der Weg zu einer Verbesserung der Lage und Aussichten der Sehbehinderten, und zur Erweiterung ihrer Möglichkeiten, selbständig zu leben, nicht nur in Slowenien.


Anmerkungen
(1) Die Definition von Blindheit und Sehbehinderung für die Republik Slowenien wurde am 6. März 1996 von der erweiterten technischen Arbeitsgruppe für Augenheilkunde und am 6. November vom Medizinischen Rat des Gesundheitsministeriums der Republik Slowenien verabschiedet.

(2) WHO. Prevention of blindness and deafness. Consultation on development of standards for characterization of vision loss and visual functioning. Geneve, 4-5 September 2003, WHO/PBL03.91.

(3) Colenbrander A, Fletcher DC. Basic concepts and terms for low vision rehabilitation. Am J Occupat Ther (AJOT) 1995; 49:865-9.

Weitere Informationen erteilt Tomaz Wraber, Tomaz.Wraber@rtvslo.si 

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Kurzinfo Slowenien


     Official name:                                                 Republic of Slovenia
     Offizieller Name                                             Republik Slowenien
     Politisches System                                        Demokratie
     Fläche                                                             20,273 km2
     Bewaldung                                                     10,124 km2
     Weinanbau                                                          216 km2
     Grenzstaaten                                                 Österreich, Italien, Ungarn, Kroatien
     Küstenlänge                                                         46.6 km
     Hauptstadt                                                      Ljubljana
     Bevölkerung                                                   2 Millionen
     Ethnien                                                         Slowenen (83.06 %), Italiener (0.16 %), Ungaren (0.43 %), andere (11.57 %)
     Sprache                                                         Slowenisch h
     Religion                                                         Römisch-katholisch (82 %)
     Klima                                                             Alpin, kontinental, Mittelmeer
     Durchschnittstemperatur                             Juli : 21°C; Januar : 0°C
     Währung                                                        Euro seit 1. Januar 2007
     Ausbildung                                                    Universitäten in Ljubljana und Maribor



Weitere Informationen : : www.slovenia.si


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Veranstaltungskalender

 

EBU-Präsidium

     8 - 10 Februar 2008               Großbritannien

Gemeinsame Sitzung des Präsidiums mit den Vorsitzenden der EBU-Kommissionen und Gruppenkoordinatoren.
 

    17 – 18 May 2008                     Niederlande

    19 – 20 September 2008         Rethimnon                 (Kreta)

Kontakt: Birgitta Blokland, EBU-Generalsekretärin
Email : bjb202@hotmail.com


Andere Organisationen

      28 Januar 2008                     PARIS                         (Frankreich)

Zweites europäisches eAccessibility-Forum – Zugänglichkeit von elektronischen Büchern: eine Chance für behinderte Menschen

Die Konferenz wird unter der Schirmherrschaft des französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy, der französischen Ministerin für Kultur und Kommunikation, Christine Albanel, und der französischen Ministerin für Hochschulwesen und Forschung, Valérie Pecresse, abgehalten.

http://inova.snv.jussieu.fr/evenements/colloques/ebooks/Description/index_en.php
 

      25 – 29 März 2008                 PONTEVEDRA         (Spanien)

Ausgerichtet vom spanischen Blindenverband (ONCE) und dem Kinderausschuss der Weltblindenunion.

Kontakt: Ana Pelaez, rrii@once.es

 

      25 – 30 April 2008                     ZAGREB                 (Kroatien)

6. EBU-Konferenz für Taubblinde und 2. Generalversammlung der Europäischen Taubblindenunion

Kontakt: Tajana Tarczay, Projektkoordinatorin,
edbu2007@dodir.hr

 

      9 - 11 Juli 2008                             LINZ                     (Österreich)

11. International Conference on Computers Helping People with Special Needs
„eQuality: eine internationale Herausforderung“ – Gleicher Zugang zur Informationsgesellschaft als globale Herausforderung


www.icchp.org

 


      16 – 22 August 2008                     GENF (Schweiz)


7. Generalversammlung und 4. Frauenforum der Weltblindenunion

www.wbu2008.ch




      25 – 28 August 2008                 QUEBEC             (Kanada)


21. Weltkongress von Rehabilitation International
Behindertenrechte und soziale Beteiligung: eine Gesellschaft für alle

Der Kongress stellt die neue UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen vor, die einen Rahmen für die Ausarbeitung angemessener Politiken, Aktionen und Projekte zur drastischen Verbesserung der Lebensbedingungen Hunderter Millionen Behinderter in aller Welt schafft.
Der RI-Québec 2008 Weltkongress bietet zudem die Möglichkeit, sich drei Tage lang im Rahmen eines umfassenden Programms mit zahlreichen Veranstaltungen und Besichtigungen der Sehenswürdigkeiten von Québec mit über 1 500 Experten, Forschern, Verfechtern von Behindertenrechten, Dienstleistern und Akteuren der Zivilgesellschaft auszutauschen und mit Ausstellern aus aller Welt zusammenzutreffen, die ihre neuesten Produkte und Dienstleistungen präsentieren.

Das RI-Netzwerk besteht aus über 700 Organisationen in ca. 100 Ländern und bietet einen Entwicklungsrahmen für innovative Lösungsansätze. Sein Auftrag umfasst die Förderung von sozialem Wandel, Integration und Behindertenrechten.
www.riquebec2008.org oder www.riglobal.org 

 

      4 – 7 Januar 2009                 PARIS                 (Frankreich)

200. Geburtstag von Louis Braille – Internationale Konferenz

Informationen zu der Veranstaltung und das vorläufige Programm können bei der Vereinigung Valentin Haüy angefordert werden.

Kontakt: Christian Coudert, ch.coudert@avh.asso.fr

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