Mit finanzieller Unterstützung der
GD Beschäftigung, soziale Angelegenheiten und Chancengleichheit der Europäischen Kommission
Auf dem Postwege verloren gegangen. Aktuelles zur Postrichtlinie
Entscheidung über ermäßigte Mehrwertsteuer bei Hörbüchern in Schweden vertagt
Blindenschrift auf Medikamentenverpackungen
EBU Kommissionen
Neues aus den Ländern
Italien: Computerkompetenz für blinde und sehebhinderte Schüler
Niederlande: PDF-Dateien mit Vergrößerungssoftware und Scannern lesen
VK: Das Shared Space Konzept
Mitteilungen
Veröffentlichungen
SPEZIAL: Zweihundertjahrfeier zum Gedenken an Louis Braille 2009
Interview mit Vincent Michel, Präsident des
Nationales Komitees für
die Gestaltung der 200-Jahrfeier zum Gedenken an Louis Braille (CINAL)
Lieber Leserinnen und Leser,
herzlich willkommen zur 60. Ausgabe des „EBU-Newsletter“.
Die erste Ausgabe im Jahre 2008 informiert Sie über Entwicklungen in der EU,
einschließlich des enttäuschenden, wenngleich erwarteten Ergebnisses der
EBU-Kampagne zur Sicherung der kostenlosen Blindensendung im vollständig
liberalisierten Postmarkt der Gemeinschaft, sowie über Maßnahmen der EBU zur
Unterstützung der Umsetzung der Regelungen der EU-Richtlinie zur
Beschriftung von Medikamentenverpackungen in Blindenschrift.
Gegenwärtig finden auf nationaler und lokaler Ebene sehr viele interessante
Initiativen statt, von denen man jedoch jenseits der nationalen Grenzen
häufig nichts hört. Im Bemühen, hier Abhilfe zu schaffen, wollen wir die
Rubrik „Aus den Ländern“ ins Leben rufen. Dies kann aber nur gelingen, wenn
uns die Mitglieder der EBU regelmäßig über inspirierende Vorgänge und
bewährte Verfahren in ihren Ländern informieren.
Sie werden auch über neue interessante Publikationen lesen: Die Deutsche
Blindenbücherei in Leipzig hat einen barrierefrei zugänglichen Atlas
produziert und die NASA stellt jetzt Bilder aus dem Weltall für blinde und
sehbehinderte Menschen zur Verfügung!
Schließlich bringt diese Ausgabe ein Interview mit Vincent Michel, dem
Präsidenten des Internationalen Komitees für die Zweihundertjahrfeier zu
Ehren Louis Brailles im Jahre 2009, das über die Gestaltung der
Feierlichkeiten informiert, die aus Anlass des Jahr geplant sind.
Viel Spaß beim Lesen !
Bitte senden Sie Ihre Meinungen zu Inhalt und Gestaltung des “EBU
Newsletter“ an folgende Anschrift: ebuoffice@euroblind.org
Jahrelang hat die EBU für eine gesetzliche Sicherung der kostenlosen
Postdienste für blinde und sehbehinderte Menschen und ihre Organisationen
auf EU-Ebene gekämpft.
Die Liberalisierung des Postmarktes der Zukunft wird mit Sicherheit den
Druck zur Senkung der Kosten verstärken. Wir fürchten, dass ohne rechtliche
Schutzmaßnahmen die Gefahr besteht, dass die Blindensendung unter diesem
Druck leiden, allmählich eingeschränkt oder womöglich gänzlich in Frage
gestellt werden wird - so geschehen in Neuseeland, wo der Postmarkt vor
einigen Jahren liberalisiert wurde.
Die Novellierung der Postrichtlinie bot eine günstige Gelegenheit,
rechtliche Schutzmaßnahmen zu fordern. Eine Klausel, die den kostenlosen
Postdienst für blinde Menschen zulässt, gibt es in der Richtlinie bereits.
Wir haben dazu aufgerufen, diese Regelung strenger zu fassen und zu einer
verbindlichen Vorschrift zu machen, nun da die Richtlinie die vollständige
Öffnung der Postmärkte in naher Zukunft verlangt.
Das europäische Parlament nahm in Erster Lesung zwei Änderungsanträge an,
welche die Zukunft des kostenlosen Postdienstes für blinde und sehbehinderte
Menschen in der Europäischen Union garantiert hätte.
Der Ministerrat strich im Richtlinienentwurf des Parlaments diese Änderung
jedoch wieder, so dass der Text, über den in Zweiter Lesung erneut
abzustimmen war, den Dienst lediglich zuließ, anstatt ihn verbindlich
vorzuschreiben.
Änderungsanträge bedürfen in der Zweiten Lesung im Parlament der
Unterstützung einer größeren Anzahl von Abgeordneten, um durchzukommen.
Genau genommen erfordert ihre Annahme die Stimmen von 393 der insgesamt 755
Abgeordneten.
Der für diese Richtlinie federführend zuständige Berichterstatter war Markus
Ferber (Deutschland) von der Fraktion der Europäischen Volkspartei und
Europäischen Demokraten (EPP-ED). EBU-Delegationen hatten ihn in den
vergangenen zwei Jahren zweimal getroffen. Beide Male stand er der
Unterstützung eines gesetzlich vorgeschriebenen entgeltfreien Postdienstes
für Blinde eher skeptisch gegenüber.
Ich traf ihn am Mittwoch, den 30. Januar 2008, in einem „letzten Versuch“,
zu einer Vereinbarung zu kommen. Er bestand jedoch hartnäckig weiterhin
darauf, gegen unsere Änderungsanträge kämpfen und seinen Einfluss geltend
machen zu wollen. Dies bedeutete, dass die größte Fraktion im Parlament, die
EPP-ED, mehrheitlich gegen uns stimmen würde. Herr Ferber sagte, dass unsere
Änderungsanträge der Richtlinie nicht angemessen seien, da das Thema in die
Zuständigkeit der Mitgliedsstaaten falle. Zwar versicherte mir Herr Ferber,
dass er für den Erhalt der Blindensendung sei, dies zu regeln sei jedoch
Sache der Mitgliedstaaten.
Die Fraktion der Sozialisten im Europäischen Parlament (PES) stärkte unseren
Anträgen den Rücken; dies brachte uns eine große Anzahl von Stimmen ein.
Auch die Grünen unterstützten uns ebenfalls sehr.
In der Plenardebatte am Mittwoch, den 30. Januar 2008, bildeten unsere
Änderungsanträge einer der wichtigsten Diskussionspunkte. Herr Ferber
schloss seine Zusammenfassung, indem er die Notwendigkeit eines kostenlosen
Postdienstes für Blinde in Zweifel zog. Er empfahl, dass wenn Blinde diese
Vergünstigung erhalten, warum dann nicht auch gleich die Rollstuhlfahrer?!!
Natürlich wissen wir, dass dieser Vergleich hinkt. Obwohl Rollstuhlfahrer
mit vielen Barrieren konfrontiert werden, gibt es den kostenlosen Postdienst
speziell für blinde und sehbehinderte Menschen eben wegen des besonderen
Bedarfs an speziell formatierten Informationen, die der Blinde normalerweise
durch die Post oder einen anderen Dienstleister von einer entfernt liegenden
Bibliothek erhält.
Herr Ferber und seine Kollegen haben für die Ablehnung unserer
Änderungsanträge harte Lobbyarbeit geleistet. Viele Abgeordnete des
Europäischen Parlaments haben sich jedoch auch nachhaltig für die
Unterstützung unserer Anträge eingesetzt. Es sind zu viele, als dass sie
hier alle namentlich genannt werden können, aber insbesondere MdEP Richard
Howitt, der Vorsitzende der Disability Intergroup, war unermüdlich für uns
tätig.
Am Ende verloren wir die Abstimmung über unseren Antrag auf eine stärker
verpflichtende Fassung des Artikel 1 mit 298 Jastimmen zu 335 Neinstimmen.
Dieser Änderungsantrag lautete:
„Die Mitgliedsstaaten gewährleisten die Bereitstellung eines kostenlosen
Postdienstes für Blinde und Sehbehinderte.“
In einem erstaunlichen moralischen Sieg gewannen wir jedoch die Abstimmung
über einen anderen Änderungsantrag, bei dem es um den Wortlaut einer
Erwägung (recital) ging, mit 321 Jastimmen bei 320 Gegenstimmen.
Der vorgeschlagene Wortlaut dieser Erwägung lautete:
"In Anbetracht der Bedeutung kostenloser Postdienste für Blinde und
Sehbehinderte ist es angemessen zu bekräftigen, dass in einem
wettbewerbsintensiven und liberalisierten Markt es eine Verpflichtung zur
Bereitstellung kostenloser Dienste für Blinde und Sehbehinderte geben
sollte, die von den Mitgliedstaaten eingeführt werden.“
Da jedoch 393 Stimmen erforderlich gewesen wären, um den Antrag zu
beschließen, reichte dieses Ergebnis leider nicht, um die Erwägung in der
Richtlinie zu verankern.
Unsere Möglichkeiten, die erforderlichen Änderungen an der Richtlinie zu
erreichen, haben wir voll ausgeschöpft. Der Rat wird die Richtlinie jetzt
ohne weitere Komplikationen beschließen, da die Abstimmung des Parlaments
das zwischen Parlament und Rat bereits ausgehandelte Kompromisspaket
unterstützte.
Auf der Habenseite kann indessen verbucht werden, dass es uns gelungen ist,
das öffentliche Bewusstsein für die Thematik zu schärfen. Jetzt muss jede
Mitgliedsorganisation der EBU auf nationaler Ebene darauf hinwirken, dass
das Versprechen, das der Rat und Herr Ferber uns gaben , wonach „…die
Blindensendung sicher ist, da brauchen Sie sich keine Sorgen zu machen“,
auch tatsächlich eingehalten wird.
Weitere Informationen erteilt Dan Pescod, European and International
Campaigns Manager,
Dan.Pescod@rnib.org.uk
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Im Anschluss an eine gemeinsame Aktion der schwedischen Regierung, des
Schwedischen Blinden- und Sehbehindertenverband (SRF) sowie anderer
Organisationen in Schweden auf der einen Seite, der EBU und des Verbandes
der Europäischen Verleger (FEP) auf der anderen Seite, hat die Europäische
Kommission inoffiziell jetzt beschlossen, ihre Entscheidung verschoben, ein
Verfahren gegen Schweden wegen Verstoßes gegen die ermäßigte Mehrwertsteuer
auf Hörbücher einzuleiten.
Noch im Jahre 2007 hatte die Kommission entschieden, gegen den in Schweden
geltenden Mehrwertsteuersatz bei Hörbüchern in Höhe von 6% vorzugehen. Die
Kommission argumentierte, dass auf Hörbücher der ansonsten bei Büchern
geltende verminderte Mehrwertsteuersatz nicht anzuwenden ist, weil diese der
gängigen Definition eines Buches nicht „entsprechen“. Dies stellt eindeutig
eine indirekte Diskriminierung blinder, sehbehinderter und lesebehinderter
Menschen dar. Mit Unterstützung des Schwedischen Blinden- und
Sehbehinderten-verbandes sowie des Verlagswesens traf sich die Schwedische
Regierung mit der Kommission, um den Fall ausfechten.
In einem gemeinsamen Schreiben an den Präsidenten der Europäischen
Kommission, die zuständigen Kommissare und europäischen Finanzminister sowie
den Präsidenten des Europäischen Parlamentes protestierten EBU und FEP gegen
diese enge und diskriminierende begriffliche Definition eines Buches.
Gleichzeitig erhielten wir in dieser Sache Unterstützung seitens
verschiedener Mitgliedsstaaten. Der Präsident des Europäischen Parlaments
teilte uns sogar mit, er freue sich darauf, dass das Europäische Parlament
unsere Sorgen bei der 2008 anstehenden Überprüfung der MwSt-Rahmenrichtlinie
berücksichtigen werde.
Angesichts einer Debatte im Rat und da sie den Vorschlag für eine
Überprüfung der MwSt-Rechtsrahmens selbst eingebracht hatte, entschied die
Europäische Kommission jetzt inoffiziell, das Rechtsverletzungsverfahren
gegen Schweden solange auszusetzen, bis eine Aussprache über das Regelwerk
im Rat und Europäischen Parlament stattgefunden hat.
Die EBU wird ihre Lobbyarbeit zu diesem Thema fortsetzen, um zu
gewährleisten, dass Hörbücher weiterhin zu solchen Produkten gehören, auf
die der ermäßigte MwSt-Satz Anwendung findet. Gleichzeitig soll
sichergestellt werden, dass die begriffliche Bestimmung eines Buches so
aktualisiert wird, dass technologische Entwicklungen einfließen.
Weitere Informationen hierzu von Anne Spinali, RNIB European Campaigns
Officer,
anne.spinali@rnib.org.uk
Nach Annahme der EU-Richtlinie für pharmazeutische Produkte im Jahre 2004 -
hier insbesondere des Art. 56 A, der spezielle Regelungen für die
Verbesserung barrierefrei gestalteter Informationen über medizinische
Produkte für hochgradig Sehgeschädigte enthält - hat die Europäische
Organisation für Normung (CEN) inzwischen ihre Arbeit aufgenommen, um
Richtwerte für die Höhe der Blindenschriftpunkte und andere wichtige
Messgrößen für die Wirtschaft verbindlich festzulegen.
Parallel hierzu arbeitet dieselbe Arbeitsgruppe CEN 261 (SC 5) daran,
möglichst viele gemeinsame Tabellen bzw. Listen der Braillezeichen
zusammenzutragen. Hierbei wird angenommen, dass solche Blindenschriftzeichen
auf Medikamentenverpackungen und in möglichst vielen Ländern verwendet
werden, vorausgesetzt natürlich, dass die nationalen Blindenverbände solche
gemeinsamen Darstellungen auch akzeptieren – ungeachtet der Tatsache, dass
diese von den jeweils geltenden nationalen Zeichensätzen abweichen könnten.
Von den oben erwähnten Tabellen der Blindenschriftzeichen einmal abgesehen,
lässt es sich nicht bestreiten, dass eine bestimmte Anzahl von Ländern ihre
nationalen besonderen Konventionen beibehalten werden, d.h. Kombinationen
von Punktschriftzeichen für bestimmte Tabellen, die sich von der allgemeinen
(empfohlenen) Tabelle unterscheiden und nur für ihr jeweiliges Land gelten.
Um alle diese Informationen für die Verpackungs- und Pharmaindustrie,
gegebenenfalls auch für die nationalen Regulierungsbehörden zu
systematisieren, wird gegenwärtig am Aufbau einer Datenbank gearbeitet, in
der man die gemeinsame Tabelle (für den freiwilligen Gebrauch) sowie alle
nationalen Punktschrifttabellen mit wichtigen Sonderzeichen finden kann.
Es besteht die Absicht, dieses nützliche Angebot im Abonnement anzubieten,
wobei der anfängliche Jahresbeitrag voraussichtlich etwa 1.600 € zzgl.
Mehrwertsteuer betragen wird.
Weitere Informationen erteilt John Heilbrunn,
jh@dkblind.dk
Zu ihrer ersten Sitzung trat die neu konstituierte EBU-Kommission für
Rehabilitation, berufliche Bildung und Beschäftigung vom 22. bis 24. Februar
2008 in Almasa (Schweden) zusammen, die unter der Leitung ihrer neuen
Vorsitzenden, Ulrike Norelius, stattfand. Die Kommission erstellte ein
Arbeitsprogramm für die nächsten vier Jahre, das die folgenden Punkte
beinhaltet:
1. Fortsetzung der angestrebten Umsetzung der auf der “View Ahead”-
Konferenz in Bratislava im Jahre 2005 vereinbarten Doppelstrategie zur
Verbesserung der Lage nicht beschäftigter blinder und sehbehinderter
Menschen im Erwerbsalter.
2. Verbreitung der Argumente für einen gesetzlich gewährleisteten
Rehabilitationsurlaub für alle Menschen, die ihr Augenlicht im Beruf
verlieren.
3. Vorbereitung einer umfassenden Studie über die berufliche Selbständigkeit
Blinder und Sehbehinderter in Europa mit dem Ziel, diese als eine
einträgliche wirtschaftliche Tätigkeit zu fördern.
4. Untersuchung der Effektivität von Antidiskriminierungsgesetzen,
Quotenregelungen und Steuerermäßigung, die den Anteil beschäftigter blinder
und sehbehinderter Menschen am Arbeitsmarkt steigern. Der Anfang soll mit
den in Kürze kommenden Gesetzen in Serbien gemacht werden.
5. Weiterentwicklung der Rubrik “Blinden- und Sehbehindertenberufe” auf der
Internetseite der Europäischen Blindenunion.
6. Förderung bewährter Rehabilitationsverfahren auf Grundlage des von der
vorherigen Kommission vorgelegten und bei der 8. EBU-Generalversammlung im
Jahre 2007 verabschiedeten Arbeitsberichtes.
Weitere Informationen erteilt Ulrika Norelius, Vorsitzende, unter
ulrika.norelius@home.se
Im Januar und Februar 2008 startete der Dänische Blindenverband (DAB) eine
Hörfilm-Kino-Tournee mit dem ersten Hörfilm in Dänisch. Der Erfolg war
riesig: 530 Karten wurden verkauft und bei jeder Vorführung gab es gute
Presseberichte.
Die Tournee besuchte sieben Städte in Dänemark: eine in Seeland, eine in
Fünen und fünf in Jütland, wobei in jeder Stadt eine Filmvorführung
stattfand. Eine Einladung zur Veranstaltung erhielten DAB-Mitglieder sowie
Menschen mit normalem Sehvermögen. Zur Veranstaltung der Tournee hatte sich
der DAB aus zwei Gründen entschieden: erstens sollte möglichst vielen
Mitgliedern die Gelegenheit gegeben werden, den ersten Hörfilm des Landes in
einer wirklichen Kinoatmosphäre und nicht zuhause vor dem Fernsehgerät
erleben. Zweitens galt es, Politiker, die Film- und Fernsehindustrie durch
die Medienberichterstattung davon zu überzeugen, dass der DAB entschlossen
ist, dafür zu sorgen, dass mehr Filme mit akustischen Beschreibungen, sowohl
im Kino und im Fernsehen gezeigt werden.
Die Hörfilmkampagne ist jetzt beendet. Der DAB wertet zurzeit die
zweimonatige Veranstaltung aus, deren Resultat viele gemütliche
Filmvorführungen und eine gute Presseberichterstattung waren.
Weitere Informationen erteilt der Dänische Blindenverband unter folgender
Anschrift,
jh@dkblind.dk
Im Anschluss an eine Initiative des italienischen Ministeriums für Bildung
zur Förderung der Computerfertigkeiten bei Lehrern und Schülern,
veranstaltete die Italienische Blindenunion (UIC) von 2005 bis 2006 ein
ähnliches Trainingsprogramm für die folgenden drei Zielgruppen:
In allen 20 italienischen Regionen wurden bis zu 15 blinde und sehbehinderte
Schüler im IK-Bereich unter Einsatz von Hilfsmitteln und Software geschult.
Geschult wurden darüber hinaus auch Lehrer an Regelschulen sowie
Integrationslehrer. Dabei wurden vor allem Lehrer aus dem Mittelschulbereich
in die Maßnahme einbezogen. Diese können als Tutoren eingesetzt werden, sich
weiterbilden und sich als Fachlehrer für blinden- und
sehbehindertenspezifische Hilfsmittel im Unterricht qualifizieren.
Ferner wurden im Rahmen des Programms Multiplikatoren ausgebildet.
Insgesamt wurden mit der Initiative 100 Schüler und 50 Lehrer geschult.
Weitere Informationen erteilt die Italienische Blindenunion unter,
inter@uiciechi.it
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Immer mehr Dokumente werden im PDF-Format editiert. Menschen mit
Sehproblemen, die eine spezielle Vergrößerungssoftware oder Screenreader
benutzen, haben dann oft Probleme, diese zu lesen. Die Software, die sie
nutzen, arbeitet nicht wie bei den regulären Word-Programmen. Der Inhalt ist
bei der Ausgabe häufig unleserlich.
Obgleich Informationen, wie man PDF-Formate barrierefrei zugänglich machen
kann, in Fülle vorhanden sind, gibt es kaum Anleitungen, wie sie zu lesen
sind. Viziris war deshalb der Meinung, dass die Erstellung eines Handbuches
„PDF-Dokumente mit Vergrößerungssoftware und Screenreadern lesen“ wichtig
ist. Wegen des großen internationalen Interesses wurde das Handbuch jetzt
aus dem Niederländischen ins Englische übersetzt.
"Reading PDF with Screen Magnifiers and Screen Readers" ist im Word-Format
sowie in PDF auf unserer Webseite erhältlich:
http://www.viziris.nl/scrivo/asset.php?id=105600
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Der Nationale Blindenverband des Vereinigten Königreichs (NFB) hat die
folgende Presseerklärung herausgegeben:
„Der NFB lehnt alle Pläne zur Einführung eines gemeinsamen geteilten Verkehrsraumes (Shared Space schemes) entschieden ab, die gegenwärtig bei den Kommunen umgesetzt werden.
Herkömmliche Bürgersteige und sichere Fußgängerüberwege werden im Rahmen des Verkehrskonzeptes beseitigt. Dies führt dazu, dass blinde Menschen keine Vorstellung haben, wo sie sich auf den mit allen Verkehrsteilnehmern gemeinsam geteilten Straßen befinden.
Die Kommunen, die zur Zeit dabei sind, solche gefährlichen Verkehrskonzepte zu planen bzw. umzusetzen, sollten bedenken, welche Gefahren und Risiken sie für blinde und sehbehinderte Menschen schaffen. Ferner sollten sie ihren aus dem behindertenspezifischen Antidiskriminierungsgesetz resultierenden Gleichstellungsaufgaben Rechnung tragen. Soweit das gefährliche Konzept eines gemeinsamen Verkehrsraums bei den Kommunen bereits umgesetzt wurde, sollten Bürgersteige und Fußgängerüberwege wieder rückgebaut werden, damit Mobilität für Blinde und andere Fußgänger wieder möglich wird und man den Verkehr nicht fürchten muss.
Wer immer sich dieses verrückte Konzept ausgedacht hat, der hat in keiner Weise an die Bedürfnisse blinder Menschen gedacht. Der Gedanke, dass sich Autofahrer durch bloßen Augenkontakt mit den Fußgängern verständigen sollen, lässt sich bei Blinden und Sehbehinderten oder selbst bei Menschen mit Lernbehinderungen nicht realisieren.
Der NFB ruft deshalb alle lokalen Behörden auf, in dieser Angelegenheit dringend und sofort tätig zu werden.
Weitere Informationen erteilt Jill Allen-King, MBE - NFB Public Relations
Officer
jill.allenking@tiscali.co.uk
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Der internationale Blindensportverband (IBSA) hat die Termine für zwei
internationale Futsal-Workshops in Europa im ersten Halbjahr dieses Jahres
bestätigt. Die Workshops finden im Rahmen des von der UEFA finanzierten
"Futsal-Förderprojektes Europa" statt:
Hereford (England), 3. - 6. April :
Trainer und Schiedsrichter aus England, Schottland, Wales, Nordirland und
der Republik Irland werden zur Teilnahme an den Workshops am „Royal National
College for the Blind“ in Hereford eingeladen.
Deutschland, 3. - 6. Juli :
Vertreter aus Deutschland, Belgien, den Niederlanden, Liechtenstein, der
Schweiz und Österreich nehmen an diesem Workshop teil.
Die IBSA arbeitet derzeit daran, Veranstaltungsorte für zwei weitere
Workshops zu konkretisieren, die in der zweiten Jahreshälfte 2008
stattfinden sollen. Die Türkei und Russland haben ihr Interesse als
Ausrichter bereits bekundet. Detaillierte Informationen werden unter
www.ibsa.es ins Internet gestellt, sobald diese verfügbar sind.
Weitere Informationen erteilt Neil O’Donovan, Chairman of IBSA Europe,
neil@ibsports.ie
Weitere Informationen erteilt Neil O’Donovan, Chairman IBSA Europe, unter
neil@ibsports.ie
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Die Deutsche Blindenbücherei in Leipzig (DZB) freut sich, ihren neuen
Weltatlas für Blinde und Sehbehinderte ankündigen zu können.
Der DZB - Weltatlas beinhaltet eine Übersichtskarte der Erde, zehn einzelne
Karten (Nord- und Zentralamerika, Südamerika, Europa, Afrika, Australien,
Asien, die Arktis, Antarktis, Atlantik und Indischer Ozean, Pazifischer
Ozean) und Statistiken.
Der Atlas ist in drei Formaten erhältlich:
1. Reliefdruck für blinde Menschen.
2. Großschrift für Sehbehinderte und Sehende.
3. Eine Kombination beider Ausgaben in Form transparenter Reliefdarstellungen mit Großschrift
Weitere Informationen unter : http://www.dzb.de/en/media-production/reliefs/atlas-of-the-world.html oder verlag@dzb.de
Die US-Raumfahrtbehörde NASA hat am 15. Januar 2008 im Rahmen einer
Feierstunde bei der Nationalen Föderation der Blinden (NFB) ein neues Buch
vorgestellt, dessen mit großartigen, von den großen
NASA-Weltraumobservatorien aufgenommenen Bilder der Blinde direkt „unter die
Finger“ bekommt.
"Berühre den unsichtbaren Himmel" – so der Titel des 60seitigen
Bildbandes, der farbige Aufnahmen von kosmischen Nebeln, Sternen und
Galaxien sowie der Weltraumteleskope enthält, mit denen die wunderbaren
Bilder eingefangen wurden. Jedes Bild ist mit tastbaren Linien, Erhebungen
und anderen feinen reliefartigen Oberflächenstrukturen versehen. Mit diesen
erhabenen Mustern werden Farben, Formen und andere komplexe Eigenschaften
der kosmischen Objekte übersetzt und so für Blinde und Sehgeschädigte
erfahrbar gemacht. Erklärungen und Beschreibungen zu den 28 Fotos des Buches
in Punkt- und Großschrift sorgen zudem dafür, dass das Buch für
sehgeschädigte und sehende Leser gleichermaßen barrierefrei zugänglich ist.
Das Buch enthält spektakuläre Aufnahmen, die mit Hilfe des Hubble-
Weltraumteleskops, des Röntgen-Observatoriums in Chandra, des
Spitzer-Teleskop und anderen mächtigen erdgebundenen Weltraum- teleskopen
entstanden sind. Die Himmelskörper werden dabei so präsentiert, wie sie
durch das Teleskop hindurch in sichtbarem Licht sowie in vielen anderen
Spektralbereichen erscheinen, die mit dem bloßen Auge nicht beobachtbar sind
(Radio, Infrarot, ultraviolett, Röntgen).
Das Buch stellt das Konzept des Lichtes und des Spektrums vor und erklärt, wie die verschiedenen Observatorien ihre jeweiligen Entdeckungen ergänzen. Der Leser begibt sich auf eine kosmische Reise, die mit Bildern von der Sonne beginnt, und ihn dann tief ins Weltall führt zu einem Besuch bei den Relikten explodierender und sterbender Sterne sowie bei der Whirlpool-Galaxie und kollidierenden Antennae-Galaxien.
„… Eine der größten Herausforderungen für blinde Studenten, die ein
wissenschaftliches Studium ergreifen wollen, ist, dass bestimmte Arten von
Informationen in nichtvisueller Form für sie nicht verfügbar sind“, sagte
Dr. Marc Maurer, Präsident des Nationalen Blindenverbandes (NFB). „Bücher
wie dieses sind eine Ressource von unschätzbarem Wert, weil sie blinden
Menschen Zugriff zu Informationen ermöglichen, die normalerweise durch
visuelle Beobachtung und Medien präsentiert werden. Erhalten sie erst einmal
Zugang zu solchen Informationen, dann können blinde Studenten in
wissenschaftlichen Bereichen genau so gut studieren und miteinander
konkurrieren, wie ihre sehenden Kommilitonen auch.
Weitere Informationen : :
http://www.nasa.gov/home/hqnews/2008/jan/HQ_08007_Braille_Book
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B: Im Jahre 2009 haben wir den 200. Geburtstag von Louis Braille Das CINAL koordiniert eine Vielzahl von Festveranstaltungen, um das Jahr feierlich zu begehen. Warum ist dieses Jahr eigentlich so wichtig und welche Feierlichkeiten sind schon geplant?
M: Das Ziel des Jahres 2009 ist natürlich, dem brillanten Erfinder Tribut zu
zollen, der es blinden Menschen weltweit ermöglicht hat, einem Leben des
Bettelns und der Ausgrenzung zu entkommen und sich der Welt des Wissens, der
Bildung und Inklusion zuzuwenden. Es soll indessen insbesondere ein
nützliches Jahr für sehgeschädigte Menschen sein, insofern es uns helfen
wird zu begreifen, welche Möglichkeiten uns in unserer heutigen Welt offen
stehen.
Über das gesamte Jahr verteilt wird es eine breite Palette verschiedener Aktivitäten geben. Da gibt es zunächst einmal am 4. Januar 2009 einen Gedenktag. Louis Braille wurde ja am 4. Januar 1809 in Coupvray bei Paris geboren. Das Jahr wird eröffnet mit einer offiziellen Feierstunde im Pantheon in Paris, an jenem Ort also, wo die Asche Louis Brailles aufbewahrt wird. Anschließend gibt es dann am Abend ein großes Orgelkonzert in der Kathedrale Notre Dame mit dem berühmten blinden Organisten Jean-Pierre Legay, der Kompositionen blinder Musiker spielen wird. Der Tag beginnt dann mit einem christlichen Gottesdienst in der Kapelle des Nationalen Instituts für blinde Jugendliche (INJA), das Louis Braille als Schüler besucht hatte und wo er später auch unterrichtete.
B: Eine religiöse Feier also?
M: Viele Menschen haben uns danach gefragt. Wir haben diese Feier geplant, weil wir von sehr vielen blinden Menschen darum gebeten wurden. Traditionell haben sich in Frankreich die religiösen Orden häufig um die Erziehung Blinder gekümmert: Der Orden von St. Gabriel und St. Vincent de Paul usw. Wahr ist andererseits aber auch, dass viele blinde Menschen die gesellschaftliche Integration durch Musik erreicht haben, insbesondere durch das Orgel spielen.
Es gibt viele ganz hervorragende blinde Musiker: Gaston Litaize, Jean Langlais, Helmut Walcha, Louis Thiry und heute eben Jean-Pierre Legay, das sind die Namen, die einem sofort in den Sinn kommen. Gleichzeitig ist dies also auch ein kleiner Tribut an eine Tradition. Die Feier wird ein wenig ökomenisch gestaltet werden und alle Bewunderer Louis Brailles, mögen sie nun Juden, Muslime oder auch Atheisten sein, sind herzlich eingeladen, gemeinsam mit uns zu feiern.
Dann wird es des weiteren zwei große pädagogische Veranstaltungen geben. Die erste von diesen wird eine Konferenz über die von Braille erfundene Sechs-Punkte-Schrift und ihre Zukunft sein, die vom 5. bis 10. Januar gemeinsam von der Valentin-Haüy-Vereinigung (AVH) und dem Nationalen Institut junger Blinder (INJA) ausgerichtet wird. Der Titel ist selbsterklärend. Es handelt sich um ein reines Expertentreffen, das einen Blick darauf werfen wird, was die Braille-Schrift in Gegenwart und Zukunft ist und welche Kompetenzen stiftende Rolle sie hat.
Ein großer internationaler multidisziplinärer Kongress, “der VI 2009”, wird von CINAL vom 18. bis 20. Juni in Coupvray, dem Heimatort Louis Brailles veranstaltet. Schwerpunkt hierbei wird die Blindheits- und Sehbehinderungsthematik sein. Am ersten Tag wird sich der Kongress der Frage widmen, was es in der heutigen Welt heißt blind oder sehbehindert zu sein. Hier freuen wir uns auf die Berichte von blinden und sehbehinderten Menschen aus den verschiedenen Ländern, die uns erzählen, wie sie die ihre Behinderung vor ihrem jeweiligen kulturellen Hindergrund erleben. Der zweite Tag ist dann dem Thema der sozialen Inklusion durch Bildung und Beschäftigung gewidmet. Schwerpunkt des dritten Kongresstages wird schließlich der Zugang zu Kultur und Medien sein: wie können blinde und sehbehinderte Menschen sich der Welt des Wissens in einem allgemeiner bestimmten Sinne nähern.
Ein weiterer großer Höhepunkt des Jahres wird eine Wanderausstellung zum Thema Blindenschrift, zu ihren Vorläufern und den heutigen Medien sein, Zugang zu Information und Kultur zu bekommen, angefangen mit den ersten Skizzen Valentin Haüys bis hin zum Computer des 21. Jahrhunderts. Diese Ausstellung wird durch Frankreichs große Städte reisen, aber auch in anderen großen Städten Europas zu sehen sein: London, Brüssel, Warschau, Rom, Madrid und vielleicht noch in weiteren Städten. Möglicherweise wird sie sogar in die südlichen Mittelmeerländer (Tunesien, Marokko, Ägypten) gehen dank eines Projektes, das der Französische Blindenverband mit Unterstützung der Europäischen Blindenunion vorbereitet. Wir hoffen, dass das Projekt mit finanziellen Mitteln aus dem EU-Programm „Euromediterranes Erbe IV“ gefördert werden wird. Gleichzeitig wird die Ausstellung ein starkes Instrument bilden, um blinde und sehbehinderte Menschen in der Gesellschaft sichtbar zu machen und um über ihre Situation zu informieren.
Wir wollen darüber hinaus ein weiteres großes kulturelles Event in Paris veranstalten: wir stehen bereits in Kontakt mit zwei berühmten blinden Sängern, Andrea Bocelli und Stevie Wonder, und wir hoffen, dass sie die Zeit haben, bei uns mitzumachen und aufzutreten.
Zu guter Letzt möchten wir gerne das Jahr beenden mit einer Reihe politischer Empfehlungen an das Französische Parlament und die französische Regierung, an das Europäische Parlament und - über die Weltblindenunion - sogar an die Generalversammlung der Vereinten Nationen.
Dies dürfte im Wesentlichen der rote Faden für 2009 sein. Im Zusammenhang hiermit wird es weitere Initiativen zum Gedenken an den 200. Geburtstag von Louis Braille in Frankreich und im Ausland geben. Natürlich ist es wichtig, dass alle diese Aktivitäten zu einem Wissensaustausch führen. Die Ergebnisse des Coupvray-Kongresses sollten nicht in Frankreich verbleiben, sondern verbreitet werden, und zwar – wir wollen einmal ehrgeizig sein – in allen fünf Kontinenten.
B: Machen Sie es für diejenigen, die außerhalb von Frankreich leben, nicht schwierig, an diesen Gedenkfeiern teilzunehmen? Sie sind möglicherweise nicht in der Lage, zweimal in Ihr Land zu reisen, um bei jeder Veranstaltung dabei zu sein. Wie sehen Sie die Mitwirkung aus dem Ausland, und wie wollen Sie sicherstellen, dass die internationale Dimension berücksichtigt wird? Schließlich sind alle Blinden auf der Welt Louis Braille zu Dank verpflichtet, nicht nur die Franzosen.
M: Ja, das stimmt. Das kann schon Probleme verursachen. Aber zunächst einmal muss ich feststellen, dass die Konsultationen erst in einem späten Stadium begannen. Deshalb wussten wir nichts über die Blindenschrift-Konferenz. In jedem Fall wird die Konferenz im Januar verschiedenen Aspekten der Brailleschen Schreib- und Lesesystematik gewidmet sein, während der Junikongress stärker die Blindheitsthematik herausstellt. Natürlich wird hierbei auch das Thema Blindenschrift angesprochen. Das Hauptanliegen des Kongress wird jedoch sein, auf der Grundlage der Berichte einer Reihe Selbstbetroffener, eine Blindencharta zu entwerfen, die man vielleicht die Coupvray-Charta nennen könnte. Diese wird eine Reihe von Empfehlungen umfassen, die den Regierungen der ganzen Welt vorzulegen sind, um die soziale Inklusion blinder und sehbehinderter Menschen zu fördern. Nochmals, der Coupvrayer Kongress wird keine Fachveranstaltung zu einem gegebenen Thema sein, also Brailleschrift, sein, sondern eine Zusammenkunft, die Forschern, Firmenmanagern, Erziehungs- und Bildungsspezialisten, Politiker, Medien sowie der allgemeinen Öffentlichkeit offen steht.
Es wird im Rahmen der Konferenz auch eine Ausstellung geben: die Einrichtungen und Firmen werden dort die Möglichkeit haben zu zeigen, was in ihren Ländern getan wird, um den Bedürfnissen und Bestrebungen sehgeschädigter Menschen zu entsprechen. Ich möchte hier klarstellen, dass, wenn ich von Sehgeschädigten spreche, ich nicht nur die Blinden, sondern auch Sehbehinderte meine.
Tatsächlich werden sich die beiden Veranstaltungen im Januar und im Juni ergänzen. Logistisch betrachtet unternehmen wir alle Anstrengungen, um zu gewährleisten, dass jene, die bei beiden Events dabei sein wollen, sich dies auch leisten können. Ich selbst arbeite am Juni-Kongress in Coupvray. Wir arbeiten zurzeit an einem speziellen Registrierungsverfahren mit verschiedenen Gebührensätzen, bei dem ärmere Länder oder Delegierte die kostenlose Registrierung oder eine ermäßigte Teilnahmegebühr in Anspruch nehmen können. Außerdem werden wird uns auch bemühen, ermäßigte Flugtarife bei den Airlines zu bekommen.
B : Sie haben erklärt, dass eine Wanderausstellung durch die wichtigsten Städte Europas touren wird. Haben Sie denn schon Kontakt zu den Blindenorganisationen aufgenommen oder verhandeln Sie mehr mit Institutionen, mit den Museen außerhalb des Blindenwesens?
M : Im Moment möchte ich sagen, dass wir bei dieser Operation noch ganz am
Anfang stehen. Die ONCE (der Spanische Blindenverband) hat Interesse an der
Louis-Braille-Zweihundertjahrfeier gezeigt, das britische RNIB und die
belgische Ligue Braille ebenfalls. Mindestens diese Organisationen sind mir
im Gedächtnis geblieben. Außerhalb von Europa will sich die Tunesische
Organisation beteiligen. Wir haben aber auch Kontakt zu einigen wichtigen
Museen außerhalb des Blindenwesens hergestellt, einschließlich zum Museum
für Ägyptologie in Kairo.
Die Hauptschwierigkeit besteht im Augenblick darin, dies alles von
Frankreich aus aufzubauen, also die Blinden zu mobilisieren und sie zu einem
gemeinsamen Projekt zusammen zu bringen. Wir möchten wissen, wie die
einzelnen Länder das Andenken an Louis Braille ehren wollen, und deshalb
freuen wir uns darauf, möglichst viele Delegationen aus der ganzen Welt bei
der Zweihundertjahrfeier begrüßen zu können.
B : Was erwarten Sie ganz konkret von der EBU ?
M : Wir erwarten von der EBU : Erstens, dass die EBU-Mitglieder auf den in Kürze ergehenden Aufruf, an der Gestaltung des Coupvrayer Kongresses mitzuwirken, positiv reagieren, indem sie blinde und sehbehinderte Zeitzeugen benennen können, die in der Lage sind, einen umfassendes Aussagenmaterial für den ersten Tag mitzubringen; oder Experten, die einen Vortrag zu einem der Kongressthemen halten können – also Zugang zu Bildung, zur Beschäftigung, zur Kultur, die Rolle der Medien usw.
Wir möchten nicht, dass der Kongress im Juni eine rein französische Veranstaltung wird. Obwohl Frankreich naturgemäß hier eine große Rolle spielt, muss der Kongress offen für die ganze Welt sein. Wenn beispielsweise spanische, britische oder italienische Institutionen sich in besonderer Weise um die berufliche Integration blinder und sehbehinderter Menschen bemüht haben, dann sollten sie auch die Gelegenheit haben, nach Coupvray zu kommen, um hierüber zu sprechen. Das gleiche gilt für Länder, die im Bereich Zugang zu Information gute Arbeit leisten (Ich denke besonders an die nordischen Länder). Es ist wichtig, dass sie alle bei dem Kongress dabei sind, um ihr Wissen und ihre Erfahrungen mit anderen zu teilen. Wenn ein Blinder aus Afrika über die Art und Weise berichten möchte, wie in seinem Land die Blindenthematik angepackt wird, dann sollte ihm die Gelegenheit hierzu gegeben werden. Wir erwarten eine große Zahl von Beiträgen, die wir während des Konvents behandeln können. Aber wir planen aber auch, alle Beiträge, die unser wissenschaftlicher Beirat für interessant hält, als Schwarzschrift- und Punktschriftausgabe herauszugeben, nach Möglichkeit in Englisch und Spanisch. Sie werden ins Internet gestellt... warum nicht auf der EBU-Website. Ich hoffe, die EBU wird uns hierbei unterstützen.
Ich rufe auch alle Sehgeschädigten in Europa und in der ganzen Welt auf, sich in das Besucherbuch der Blinden einzutragen. Ich habe das noch nicht erwähnt, aber es handelt sich um ein wichtiges Element der Feierlichkeiten. Wir haben uns entschieden, ein solches Besucherbuch zu öffnen, das am 20. Juni im Geburtshaus von Louis Braille in Coupvray ausliegen wird. Blinde Menschen sind herzlich eingeladen, sich mit Namen und Unterschrift in das Buch einzutragen. Natürlich besteht auch die Möglichkeit, einen kleinen Text von 10 bis 30 Wörtern zum Andenken an Louis Braille zu schreiben und ihm persönlich zu danken.
Gleichzeitig ist dies für uns eine Möglichkeit, das Jahr zu finanzieren: 50 Euro für den Namenseintrag, also Vorname, Name, Wohnort und Unterschrift; 75 Euro für einen zusätzlichen Text von 10 bis 15 Wörter; 100 Euro für einen Text, der etwa 30 Wörter umfasst. Die EBU könnte helfen, diese Aktion auf möglichst breiter Ebene bekanntzumachen und sogar jenseits der Grenzen Europas, damit die Blinden ihre Dankbarkeit gegenüber Louis Braille in ihrer eigenen Sprache ausdrücken können, möge dies nun Französisch, Englisch, Spanisch, Italienisch, Tschechisch, Slowakisch, Rumänisch, Hebräisch, Arabisch, Papua, Chinesisch sein.
B : Ist das Programm für das Jahr bereits abgeschlossen? Ich frage deshalb, weil viele Organisationen immer noch vorhaben, bei der Gestaltung der Feierlichkeiten 2009 mitzuwirken. Besteht noch die Möglichkeit, neue Initiativen in das vom CINAL organisierte Programm einzubinden? So haben wir beispielsweise bei der EBU im Jahre 2007 den ONKYO-Braille-Aufsatzwettbewerb veranstaltet. Da nun das Jahr 2009 zufällig auch mit dem 25. Geburtstag der EBU zusammenfällt, überlegen, die 25 besten Aufsätze herauszugeben. Denken Sie, dass hierfür Platz wäre?
M: Was ich gerade vorgestellt habe, ist ja nur der allgemeine Grundriss des Programms. Ich habe nicht alle geplanten Aktivitäten erwähnt. So wird es beispielsweise einen Literaturwettbewerb geben mit dem Titel „Beschreiben, was man nicht sehen kann“. Natürlich gibt es noch Raum für lokale und internationale Events, aber wir müssen das Programm innerhalb der kommenden drei bis vier Monate, also sagen wir einmal bis zum 30 Juni fertig haben. Sie werden verstehen, dass wir Zeit brauchen, um die Hotelreservierungen zu organisieren und um alle weiteren notwendigen Vorkehrungen zu treffen. Dies braucht einen riesigen Haushalt und im Augenblick suchen wir noch weitere Sponsoren. Bis jetzt haben wir als finanzielle Förderer France Télévision, Radio France und eine gewisse Zahl anderer Medien gewinnen können.
B: Auf unseren Aufruf zur Gründung nationaler Brailleclubs bei der EBU-Generalversammlung im Oktober 2007 hat es nicht viele Rückmeldungen gegeben. Einer dieser Clubs wurde in Italien ins Leben gerufen und der ist eine effektive Finanzquelle für das Louis Braille Museum in Coupvray. Ist das etwas, was die CINAL während des Jahres fördern wird?
M: Ich kann jetzt hier noch keine klare Antwort geben, aber dies ist etwas, was wir sicherlich in Erwägung ziehen sollten. Ich wünsche mir, das bis Ende des Jahres 2009 die Frage, wie man das Museum in Coupvray finanzieren kann, gelöst ist. Es ist nicht akzeptabel, dass der Französische Blindenverband den größten Teil der finanziellen Lasten der Betriebkosten schultern muss (Ich spreche hier als Generalsekretär des Französischen Blindenverbandes!). Es dürfte nicht schwierig sein, dieses Problem zu lösen. Schließlich bedarf es nicht eines Riesenhaushaltes, um das Museum weiter zu betreiben, nicht mehr als 100.000 Euro. Das müsste im Rahmen einer gemeinsamen internationalen Anstrengung zu schaffen sein. Natürlich prüfen wir auch Finanzierungsmöglichkeiten durch die französischen Behörden, aber nochmals, wir reden hier nicht über den Louvre. Coupvray ist klein und ich kann mir nicht vorstellen, dass sich keine dauerhafte finanzielle Lösung finden lässt.
Weitere Informationen erteilt Vincent Michel,
cinal@cinal.fr
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Sonntag, den 4. Januar 2009 : 200. Geburtstag von Louis Braille
10:00 Uhr. Feierliche Messe in der Kapelle des Nationalen Instituts für
junge Blinde (Institut National des Jeunes Aveugles, INJA), Boulevard der
Invaliden in Paris. Hier hat Louis Braille studiert. Die Messe wird auf
„France Culture“ live übertragen.
11:00 Uhr Empfang beim INJA
15:00 Uhr Offizielle feierliche Eröffnung des Louis-Braille-Jahres im Panthéon in Anwesenheit hochrangiger wichtiger nationaler und internationaler Persönlichkeiten.
20:30 Uhr Konzert an der großen Orgel. Blinde Organisten der Notre-Dame de Paris spielen Werke blinder Musiker.
Montag, den 5. Januar
09:30 – 10:00 Uhr Eröffnungssitzung: Louis Braille und seine Zeit (offizielle Ansprachen)
10:00 – 12:30 Uhr Die Geburt des Brailleschen Systems und erste Anwendungen (3 Redner)
14:30 – 16:00 Uhr Das Braillesystem und seine Anwendung in Mathematik, Musik und in den Informationstechnologien (3 Redner)
16:30 – 17:30 Uhr Praktische Anwendung – 4 Workshops :
1. Informationstechnologien und Braillezeile
2. Musik - Einscannen und Übertragung einer Partitur in die Blindenschrift
3. Kartographie und Reliefzeichnungen
4. Braille und Spiele (Schach, Kartenspiele, Scrabble, Kreuzworträtsel …)
Dienstag, den 6. Januar
09:00 – 10:30 Uhr Braille weltweit und in den verschiedenen Sprachen (4 Redner)
11:30 – 12:30 Uhr Anpassung der Braillecodes und ihre Schwierigkeiten (Runder Tisch)
14:30 – 16:00 Uhr Die Vereinheitlichung der Brailleschrift : Erfolg und Hürden (2 Redner)
16:30 – 17:30 Uhr Nutzerperspektiven in der ganzen Welt (Runder Tisch) Braille in den Entwicklungsländern
17:30 – 19 :00 Uhr Eröffnung der neuen Medienbücherei der Vereinigung Valentin Haüy
Mittwoch, den 7. Januar Die Zukunftsaussichten der Brailleschrift
09:00 – 10:30 Uhr Braille angesichts neuer Technologien
– Ergänzung oder Konkurrenz (3 Redner)
- Braille und schulische Integration
- Braille und berufliche Integration - Braille und digitale Bibliotheken
11:00 – 12:30 Uhr Runder Tisch: Braille im Alltag
14:30 – 16:00 Uhr Wir spielen mit der Brailleschrift (Spieleworkshops, Teamwettbewerbe mit Gewinnen, Ergebnisse der 2008 geplanten Wettbewerbe)
16:30 – 17:00 Uhr Offizielle Schließung
20:00 Uhr Schlußbankett
Donnerstag, den 8. Januar
4. – 8. Januar : « Die 6-Punkte-Schrift und ihre Zukunft » Internationales Braille-Seminar 2009, finanziell gefördert von CINAL und organisiert in Zusammenarbeit von AVH und INJA.
Übersetzungen: Französisch und Englisch.
14. Februar – 20. Juni : Wanderausstellung « Das Braillesystem und seine zeitgenösssische Wirklichkeit ».
18. - 20. Juni : Internationale Blindenkonferenz für Sehgschädigte 2009 in Coupvray : Internationaler und multidisziplinärer Kongress « Zweihundert Jahre nach Louis Braille, Blinde und Sehgeschädigte in der heutigen Welt ».
Übersetzung: Französisch, Englisch, Spanisch, Deutsch und Italienisch.
Donnerstag, den 18. Juni : Der Sehgeschädigte in der heutigen Welt oder ein Leben ohne Sehen.
Freitag 19. Juni: Sehschädigung und Integration.
Samstag, 20. Juni : Sehschädigung und Zugang zum Wissen
Am Ende der Konferenz wird der Preis für den Literaturwettbewerb „Sag, was du nicht sehen kannst“ stattfinden. Die Konferenz wird mit der Abstimmung über die « Coupvrayer Charta », enden, die die wichtigsten notwendigen Maßnahmen zur Förderung der Bürgerschaft blinder und sehbehinderter Menschen empfiehlt .
Samstag 20. Juni : Konzert in Coupvray
Blinde Künstler (Gilbert Montagné, Andrea Bocelli und Stevie Wonder) ehren
Louis Braille.
Herbst 2009 : Politische Erklärungen in den nationalen Parlamenten
und im Europäischen Parlament auf der Grundlage der « Coupvrayer Charta ».
Weitere Informationen erteilt Vincent Michel,
cinal@cinal.fr
Veranstaltungskalender |
Kontakt: Birgitta Blokland, EBU Secretary General
Email : bjb202@hotmail.com
Internationales Futsal Seminar
Kontakt : Neil O’Donovan, Vorsitzender der IBSA Europa,
neil@ibsports.ie
6 EBU Taubblindenkonferenz und 2. Generalversammlung der Europäischen
Taubblindenunion
Kontakt : Tajana Tarczay, Projektkoordinatorin
edbu2007@dodir.hr
Erster internationaler Kongress für blinde
und sehbehinderte Kinder
Veranstalter: Spanischer Blindenverband (ONCE) und Kinderkomitees der
Weltblindenunion
.
Kontakt : Ana Pelaez, rrii@once.es
Internationales Futsalseminar
Kontakt : Neil O’Donovan, Chairman of IBSA Europe,
neil@ibsports.ie
9. Internationale Konferenz für „Low Vision“
Die Konferenz gliedert sich in Plenarversammlungen und parallele
Arbeitssitzungen, bei denen anerkannte Akademiker und Forscher die
Ergebnisse ihrer Arbeit in den Bereichen Augenheilkunde, Rehabilitation und
psychosoziale Aspekte der Wiedereingliederung vorstellen..
www.vision2008.ca
11. Internationale Konferenz über Computer helfen Menschen mit
speziellen Bedürfnissen
“eQuality: Gleichberechtigter Zugang zur Informationsgesellschaft als
globale Herausforderung“
www.icchp.org
7. Generalversammlung und 4. Frauenforum der Weltblindenunion
www.wbu2008.ch
21. Weltkongress internationale Rehabilitation
Behindertenrechte und soziale Teilhabe : Eine Gesellschaft für Alle
gewährleisten
Der Kongress thematisiert Beispiele aus der UNO-Konvention über die Rechte
für Menschen mit Behinderung, die den Rahmen für die Entwicklung einer
richtigen Politik, von Aktionen und Projekten liefert, um die
Lebenssituation hunderter von Millionen behinderter Menschen zu verbessern.
Gleichzeitig bietet der „Weltkongress Rehabilitation International“ die
Gelegenheit, mehr als 1.500 Experten, Forscher, Anwälte für
Behindertenrecht, Dienstleister und Führungspersönlichkeiten der
Zivilgesellschaft zusammenzubringen, um im Rahmen eines dreitägigen
umfassenden Programms an Veranstaltungen und Besichtigungen der schönen
Stadt Québec teilzunehmen. Dies ist die Chance, Aussteller aus aller Welt
kennen zu lernen, die ihre neuesten Markenprodukte und Dienstleistungen
vorstellen.
Das RI Netwerk, das aus über 700 Organisationen in rund 100 Ländern besteht,
ist ein Katalysator für die Entwicklung von innovativen Ideen und Lösungen.
Seine Mission ist es, soziale Veränderungen, Inklusion und Rechte von
Menschen mit Behinderungen zu fördern.
www.riquebec2008.org oder www.riglobal.org